Quelle: Bundesstiftung BaukulturQuelle: Bundesstiftung Baukultur

Der Baukulturbericht 2026/27 der Bundesstiftung Baukultur stellt das Gestalten in den Mittelpunkt und betrachtet dabei die drei eng miteinander verbundenen Bereiche Prozesse, Bauen und Zusammenhalt. Die zentrale Botschaft lautet: Es ist nicht egal, wie unsere gebaute Umwelt aussieht. Gestaltung beeinflusst das Wohlbefinden, die Gesundheit, die Identifikation mit Orten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Baukultur wird damit als eine der entscheidenden Zukunftsaufgaben verstanden.

Der Bericht zeigt, dass Deutschland vor großen Herausforderungen steht. Demografischer Wandel, Wohnungsmangel in vielen Regionen, marode Infrastrukturen, Klimaanpassung und der Umbau hin zu einer nachhaltigen Bauwirtschaft erfordern neue Lösungen. Gleichzeitig wächst die Erkenntnis, dass diese Aufgaben nicht allein technisch oder wirtschaftlich beantwortet werden können. Entscheidend ist die Qualität der Prozesse und der gebauten Ergebnisse.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der sogenannten Phase Null. Gemeint ist die frühe Projektvorbereitung, in der Ziele definiert, Nutzerbedürfnisse erfasst und Qualitätsansprüche festgelegt werden. Nach Auffassung der Bundesstiftung Baukultur entstehen erfolgreiche Projekte vor allem dort, wo Beteiligung, fachliche Zusammenarbeit und eine klare gestalterische Vision von Anfang an zusammengedacht werden.

Auch beim Bauen selbst rückt der Bericht die Qualität stärker in den Fokus. Architektur und Städtebau sollen sich am Menschen orientieren, Gesundheit und Wohlbefinden fördern sowie Identität stiften. Naturnahe Freiräume, hochwertige Materialien, langlebige Konstruktionen und anpassungsfähige Gebäude werden als zentrale Bausteine einer zukunftsfähigen Baukultur beschrieben. Gleichzeitig plädiert der Bericht für einen konsequenten Ausbau der Umbaukultur: Der Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Gebäude sollen künftig Vorrang vor Abriss und Neubau haben.

Wo steckt die goldene Energie? Durch Bestandserhalt können nicht nur materielle, sondern auch immaterielle Werte bewahrt und weiterentwickelt werden; Quelle: Bundesstiftung Baukultur / Heimann + SchwantesWo steckt die goldene Energie? Durch Bestandserhalt können nicht nur materielle, sondern auch immaterielle Werte bewahrt und weiterentwickelt werden; Quelle: Bundesstiftung Baukultur / Heimann + Schwantes

Ein weiterer Schwerpunkt ist die soziale Dimension der Baukultur. Gut gestaltete öffentliche Räume, Parks, Bibliotheken, Nachbarschaftszentren oder gemeinschaftliche Wohnprojekte schaffen Orte der Begegnung und stärken demokratische Teilhabe. Baukultur wird damit als Instrument verstanden, um Vertrauen, Zusammenhalt und gesellschaftliche Verantwortung zu fördern.

Der Baukulturbericht fordert deshalb, Gestaltungsqualität verbindlicher in Planung, Vergabe und Förderung zu verankern, baukulturelle Bildung bereits in Schulen zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Planenden, Handwerk, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auszubauen. Das Fazit: Nur wenn Gestaltung als gesellschaftliche Aufgabe verstanden wird, können lebenswerte, klimaresiliente und identitätsstiftende Räume entstehen, die den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden.

Baukulturbericht 2026/27

Gestalten: Prozesse – Bauen – Zusammenhalt
Bundesstiftung Baukultur 2026
https://www.bundesstiftung-baukultur.de/fileadmin/files/BKB-26/260604_Baukulturbericht_2026-27_Gestalten_barrierefrei.pdf