Polarforscher und Autor Arved Fuchs in Hamburg: In der Arktis ist der Klimawandel besonders deutlich zu spüren; Quelle: nbauPolarforscher und Autor Arved Fuchs in Hamburg: In der Arktis ist der Klimawandel besonders deutlich zu spüren; Quelle: nbau

Angesichts zunehmender Hitzewellen, langanhaltender Trockenperioden und immer häufiger auftretender Extremwetterereignisse haben Fachleute auf dem Extremwetterkongress in Hamburg eindringlich vor den Folgen des Klimawandels gewarnt. Rund 1.000 Meteorologen, Klimaforschende, Fachleute und Journalistinnen und Journalisten diskutieren dort über die Auswirkungen der Erderwärmung und notwendige Anpassungsstrategien.

Der Meteorologe und Buchautor Sven Plöger mahnte zum Auftakt der Veranstaltung, die Entwicklung nicht länger zu verharmlosen. Der Klimawandel zeige bereits heute klar erkennbare Auswirkungen mit mehr Hitze, mehr Trockenheit und einer wachsenden Zahl von Extremereignissen. Zugleich kritisierte er, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und die Dringlichkeit des Problems gesellschaftlich und politisch oft nicht ausreichend berücksichtigt würden. Mit Blick auf die öffentliche Debatte sprach er von einem Ungleichgewicht zwischen wissenschaftlicher Vernunft und der Verweigerung, die Realität der Klimakrise anzuerkennen.

Besonders deutlich wurde Plöger beim Thema hitzebedingte Todesfälle. Nach Schätzungen seien während der diesjährigen Hitzewellen in Deutschland rund 16.000 Menschen gestorben. Diese Opfer würden in der öffentlichen Wahrnehmung häufig weniger Beachtung finden als spektakuläre Einzelereignisse wie Hochwasser oder Stürme. Um die Größenordnung zu verdeutlichen, zog Plöger einen Vergleich zur Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021, bei der 184 Menschen ums Leben kamen.

Auch der Deutsche Wetterdienst sieht die Entwicklung mit Sorge. Tobias Fuchs, Vorstand Klima und Umwelt beim DWD, verwies auf die außergewöhnliche Hitzewelle im Juni, die von erheblicher Trockenheit begleitet wurde und unter anderem großflächige Waldbrände begünstigte. Ende Juni wurden in Deutschland Temperaturen von bis zu 41,8 Grad Celsius gemessen. Nach Angaben des Wetterdienstes hat sich die Zahl der sogenannten heißen Tage mit mindestens 30 Grad Celsius seit den 1950er Jahren vervierfacht. Während damals durchschnittlich drei solche Tage pro Jahr registriert wurden, sind es heute etwa zwölf.

Neben der Analyse aktueller Entwicklungen steht auf dem Kongress vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie sich Gesellschaft, Städte und Infrastrukturen besser auf die Folgen der Klimakrise vorbereiten können. Dabei geht es um Hitzeschutz, den Umgang mit Wasserknappheit, klimaresiliente Stadtentwicklung sowie Strategien zur Anpassung an Starkregen- und Überflutungsereignisse.

Bundesumweltminister Carsten Schneider sprach sich in diesem Zusammenhang für eine stärkere politische Verankerung von Klimaanpassung und Naturschutz aus. Nach seiner Auffassung müssen Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels langfristig abgesichert und stärker in staatlichen Strukturen verankert werden.

Die Debatten in Hamburg machen deutlich, dass die Auswirkungen der Klimakrise längst nicht mehr nur Zukunftsszenarien sind. Hitze, Trockenheit und Extremwetter prägen zunehmend den Alltag in Deutschland. Aus Sicht der Fachwelt kommt es nun darauf an, wissenschaftliche Erkenntnisse konsequenter in politische Entscheidungen, Stadtplanung und Infrastrukturentwicklung zu überführen, um die Widerstandsfähigkeit von Kommunen und Gesellschaft gegenüber den Folgen des Klimawandels zu stärken.

https://extremwetterkongress.org/