Quelle: HHLA / Oliver BockQuelle: HHLA / Oliver Bock

Die Hamburger Speicherstadt gilt als weltweit größter historischer Lagerhauskomplex und ist seit 2015 Teil der UNESCO-Welterbestätten. Mit dem Forschungsprojekt CO2-neutrales Welterbe Hamburg zeigt die Forschungsgruppe, dass Denkmalschutz und Klimaschutz keine Gegensätze sein müssen. Im Mittelpunkt steht das Gebäude Block H, das als Prototyp für eine klimaneutrale Transformation des historischen Quartiers dient.

Ausgangspunkt des Projekts ist eine zentrale Erkenntnis der nachhaltigen Bauwirtschaft: Der Erhalt bestehender Gebäude spart erhebliche Mengen an Ressourcen und CO₂. Die Speicherstadt verkörpert diese sogenannte „graue Energie“ in besonderem Maße. Seit fast 140 Jahren werden die aus Ziegel, Stahl und Holz errichteten Bauwerke genutzt und instandgehalten. Der Erhalt der historischen Bausubstanz wird damit selbst zum Beitrag für den Klimaschutz.

Gleichzeitig stellt aber der Betrieb eines denkmalgeschützten Gebäudebestands die Projektbeteiligten vor besondere Herausforderungen. Konventionelle energetische Sanierungen – etwa durch Fassadendämmungen oder sichtbare Photovoltaikanlagen – kommen im Welterbe nur eingeschränkt infrage. Ziel des Forschungsprojekts ist es daher, erneuerbare Energien so in die historische Architektur zu integrieren, dass Erscheinungsbild und Denkmalwert erhalten bleiben.

Gemeinsam mit Forschungseinrichtungen und Behörden untersucht HHLA Immobilien, wie Energie lokal erzeugt, gespeichert und verteilt werden kann. Die Potenziale sind beachtlich: Nach Berechnungen des Projekts könnten über die Dachflächen der Speicherstadt jährlich rund 14 Gigawattstunden thermische Energie sowie etwa 5 Gigawattstunden elektrische Energie erzeugt werden. Das entspricht der Wärmeversorgung von rund 700 Haushalten beziehungsweise der Stromversorgung von etwa 1.400 Haushalten pro Jahr.

Im Block H werden dazu innovative Dachsysteme erprobt. Auf Demonstrationsflächen in Schiefer- und Kupferoptik erzeugen Photovoltaikmodule Strom, während solarthermische Komponenten unterhalb der Eindeckung Umweltwärme gewinnen. Die Technik bleibt dabei weitgehend unsichtbar und respektiert die charakteristische Dachlandschaft der Speicherstadt.

Ein weiterer Baustein des Projekts ist die Digitalisierung. Mithilfe von Building Information Modeling (BIM) erstellt die HafenCity Universität Hamburg einen digitalen Zwilling des Gebäudes. In diesem Modell werden Bauwerks-, Energie- und Betriebsdaten zusammengeführt. Das ermöglicht Simulationen, Monitoring und die Bewertung unterschiedlicher Modernisierungsmaßnahmen. Die Erkenntnisse sollen später auf weitere Gebäude der Speicherstadt und perspektivisch auf andere denkmalgeschützte Bestandsbauten übertragen werden.

Gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, verfolgt das Forschungsprojekt damit weit mehr als ein lokales Ziel. Die beteiligten Partner wollen einen praxisnahen Maßnahmenkoffer für die denkmalgerechte energetische Sanierung historischer Gebäude entwickeln. Gelingt der Nachweis, dass ökologische, wirtschaftliche und denkmalrechtliche Anforderungen miteinander vereinbar sind, könnte die Speicherstadt zum Vorbild für zahlreiche Bestandsquartiere in Deutschland und Europa werden.

Der Klimaspeicher zeigt exemplarisch, wie die Transformation des Gebäudebestands gelingen kann: nicht durch Abriss und Neubau, sondern durch die intelligente Weiterentwicklung vorhandener Bausubstanz. Die Hamburger Speicherstadt wird damit vom historischen Warenlager zum Reallabor für die klimaneutrale Stadt der Zukunft.
www.hhla.de/klimaspeicher