concap Montage, Quelle: schlaich bergermann partnerconcap Montage, Quelle: schlaich bergermann partner

concap ist ein Deckensystem aus seriell gefertigten Betonfertigteilen. Das Bauteil ist rückbaubar und kreislauffähig. Seine Form ist eine Hommage an die klassisch preußische Kappendecke der Gründerzeit.

Im Sommer 2026 wird das erste große Bauvorhaben mit concap umgesetzt. In der Grolmanstraße in Berlin-Charlottenburg entsteht ein sechsgeschossiges Büro- und Geschäftshaus. Insgesamt werden rund 1.000 m² Kappendecken eingebaut. Die Bauausführung hat im Frühjahr 2026 begonnen. Die ersten Deckenelemente werden voraussichtlich im November auf die Baustelle gebracht und eingebaut.

Weniger Beton, weniger CO₂

Der größte Nutzen des concap Deckensystems liegt in der hohen Materialersparnis im Vergleich zu Flachdecken. Im Hochbau werden etwa 40 Prozent der Ressourcen in den Decken verbaut. Genau hier setzt das System an. Durch die Gewölbeform trägt die Decke ihre Lasten überwiegend über Druckkräfte ab und spart je nach Spannweite etwa 50 bis 60 Prozent Konstruktionsbeton ein.

Die Betonschale selbst ist nur 6 Zentimeter stark. Auch der Bewehrungsgrad ist sehr gering. Zusätzlich wird mit einer aktuellen Versuchsreihe versucht, die Betonrezeptur von CEM I auf CEM II umzustellen. Das senkt den Klinkeranteil im Zement und damit den CO₂-Fußabdruck weiter.

Beispiel Grolmanstraße

Der Nutzen lässt sich am Pionierprojekt gut zeigen. Die Deckenfertigteile wiegen hier rund 340 Kilogramm je m² bei bis zu 6,5 Metern Spannweite. Durch die Recyclingschüttung kommen 115 Kilogramm Gewicht je m² hinzu. Eine vergleichbare Flachdecke mit 25 Zentimetern Höhe wiegt 625 Kilogramm je m². Das bedeutet eine Einsparung von rund 30 Prozent Gewicht. Auf das gesamte Gebäude bezogen werden so etwa 181 Tonnen Beton gespart. Als Sekundäreffekt können auch die Stützen, Wände und die Gründung sparsamer dimensioniert werden.

In der Schüttung ist zudem Platz für Installationen. Gebäudetechnische Leitungen werden dort verlegt und verzogen. Ein zusätzlicher Doppelboden entfällt. Beleuchtung, Akustiksegel oder Haustechnik können bei Bedarf im Stich der Kappen untergebracht werden.

Weitere Bauvorhaben sind bereits in Planung. Im Rahmen eines Forschungsvorhabens wurde bereits ein Demonstrator im Maßstab 1:1 für eine modular errichtete Schule mit Wand- und Deckenelementen aus Fertigteilen auf einem Werksgelände der thomas Gruppe errichtet. Die Kappendecken wurden mit Weißzement hergestellt und spannen bis zu 9 m weit.

Pop-up-Showroom Berlin-Friedrichshain, Quelle: Barbara KönigPop-up-Showroom Berlin-Friedrichshain, Quelle: Barbara König

Herkunft und Entwicklung

Die Idee zu concap stammt von Prof. Mike Schlaich. Er hat viele Jahre an der TU Berlin zum nachhaltigen Bauen mit Beton und zur Tragwirkung von Betonschalen geforscht und das System mit dem Berliner Team des Ingenieurbüros schlaich bergermann partner entwickelt.

Als Industriepartner kam die thomas Gruppe hinzu, einer der größten Betonfertigteilhersteller Deutschlands. Für das Deckensystem wurde beim Deutschen Institut für Bautechnik eine Typenprüfung erteilt. Dadurch entfallen weitere baustatische Prüfungen und Genehmigungsprozesse.

Kreislauffähig und wiederverwendbar

Der Hohlraum über der Kappe wird mit gekörntem Recyclingmaterial gefüllt. Genutzt werden ungebundene mineralische Schüttungen etwa aus Sand oder Beton. Ihr CO₂-Fußabdruck ist sehr gering. Am Lebensende des Gebäudes lässt sich die Schüttung ausbauen und erneut nutzen. Auch die Fertigteile selbst können zurückgebaut und wiederverwendet werden.

Technische Eigenschaften

Das concap Raster orientiert sich am typischen Fassadenraster von Bürogebäuden. Spannweiten bis zu 8,1 m erlauben stützenfreie und flexible Grundrisse für Wohn-, Büro-, Industrie- und Gewerbebauten. Die Elemente werden ohne ergänzende Ortbetonschicht eingebaut. Der hohe Vorfertigungsgrad reduziert die Bauzeit auf der Baustelle.

Weitere Informationen: con-cap.de