Anteile der Lebenszyklusphasen (A–D) am GWP-total pro m² Nutzfläche: Durchschnittswerte der Referenzgebäude, Quelle: RPTU
Am Siemens Campus Erlangen wurden Büroneubauten von äquivalenter Architektur, Kubatur und Nutzung, aber unterschiedlicher Konstruktionsweisen des Tragwerks errichtet. Diese bieten die einmalige Chance der systematischen vergleichenden ökologischen Bewertung der Konstruktionsweisen hinsichtlich der Grauen Emissionen. Zu diesem Zweck wurde jeweils ein realisiertes Referenzgebäude als Stahlbetonskelettbau, als Holz-Beton-Hybridbau und als Stahlbetonsystembau detailliert in einer Ökobilanzierung anhand des Indikators GWP-total analysiert. Der Vergleich der grauen Emissionen umfasste die Bilanzierungsszenarien Cradle to Site, Cradle to Grave und Cradle to Cradle. Auf Gebäudeebene lag der Schwerpunkt der Untersuchungen auf der konstruktiven Durchbildung des Tragwerks sowie der direkt zugehörigen Ausbauelemente. Bemerkenswert ist, dass sich die grauen Emissionen auf Gebäudeebene im Referenzszenario Cradle to Cradle zwischen den drei unterschiedlichen Konstruktionsweisen um weniger als 10 % unterscheiden. Im Szenario Cradle to Grave werden im Kontrast dazu die Effekte der Wahl der Systemgrenzen bei der Ökobilanzierung mit Holzbaustoffen deutlich. Neben den Rohdecken, Wänden, Fundamenten, Fenstern und dem Dachaus- und -aufbau zeigten sich auch die Bodenaufbauten als emissionsintensive Bauteilgruppe. Auf Basis der Auswertungen konnten fundierte und praxisrelevante Ergebnisse und Empfehlungen zur Wahl der Konstruktionsweise, aber auch zu Vergabe- und Dokumentationsanforderungen zum emissionsreduzierten Bauen abgeleitet werden.
Müller, R.; Dernbach, A.; Jochum, D.; Wagner, E.; Glock, C. (2026) Wissenschaftlich-ökologische Bewertung dreier Konstruktionsweisen für Bürobauten anhand Grauer Emissionen am Projektbeispiel. Bauingenieur 101, H. 07–08, S. 197–208. https://doi.org/10.37544/0005-6650-2026-22


