1. Quelle: Andreas Schöttke | Institut Bauen und Umwelt e.V.1. Quelle: Andreas Schöttke | Institut Bauen und Umwelt e.V.

Wie verändern die neue EU-Bauprodukteverordnung und steigende Anforderungen an die Qualität von Umweltdaten die Bau- und Planungsbranche? Mit dieser Frage beschäftigte sich das IBU-Fachforum 2026 unter dem Titel „EPDs & EU-BauPVO: Datenqualität statt Greenwashing“, das am 23. Juni in Berlin stattfand. Expertinnen und Experten aus Regulierung, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten dort über die zukünftige Rolle von Umweltproduktdeklarationen (EPDs), Verifizierungsprozessen und belastbaren Nachhaltigkeitsdaten.

Im Mittelpunkt stand die neue EU-Bauprodukteverordnung, die ökologische Nachhaltigkeit schrittweise als verpflichtendes Leistungsmerkmal für Bauprodukte einführt. Wie Oscar Nieto Sanz von der Europäischen Kommission erläuterte, werden künftig für immer mehr Produktgruppen verbindliche Umweltanforderungen gelten. Hersteller müssen sich darauf einstellen, dass Ökobilanzen nicht mehr allein ausreichen: Die zugrunde liegenden Daten müssen künftig von unabhängigen, notifizierten Stellen validiert werden, bevor sie in die Leistungs- und Konformitätserklärung einfließen können.

Welche Anforderungen dabei an die Validierungsstellen gestellt werden, erläuterte Dr. Andreas Kalisch von der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS). Seit Inkrafttreten der neuen Regelungen akkreditiert die Behörde entsprechende Stellen nach den relevanten Normen ISO/IEC 17029 und EN 15804. Wie diese neue Rolle in der Praxis aussieht, zeigte Stefan Zwerenz von der IBU Verify GmbH, die bereits als Validierungsstelle für Umweltmerkmale nach der novellierten Bauprodukteverordnung akkreditiert ist. Erste Pilotprojekte mit Unternehmen laufen bereits.

Dass EPD-Daten längst weit über reine Nachweisdokumente hinausgehen, wurde im weiteren Verlauf der Veranstaltung deutlich. Dr. Jonas Bunsen von der Deutschen Bahn AG berichtete, wie Umweltdaten heute bereits in Planungs-, Steuerungs- und Monitoringprozesse integriert werden und künftig eine ähnlich große Bedeutung wie wirtschaftliche Kennzahlen erhalten sollen. Auch Sabine Djahanschah von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt zeigte anhand geförderter Bauprojekte, wie konsequente Lebenszyklusbetrachtungen in der Praxis umgesetzt werden können.

Zusätzlichen Handlungsdruck erzeugen neue gesetzliche Vorgaben. Jörg Schumacher von der Bundesarchitektenkammer verwies darauf, dass Ökobilanzdaten durch das Gebäudemodernisierungsgesetz sowie die europäische Gebäuderichtlinie künftig unverzichtbar werden. Ab 2028 soll das Treibhauspotenzial von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus schrittweise Bestandteil des Energieausweises werden.

Auch im Vergabewesen gewinnen belastbare Umweltdaten an Bedeutung. Rechtsanwalt Stefan Latosik zeigte anhand eines Praxisbeispiels, dass bereits die Wahl zwischen generischen Datensätzen und produktspezifischen EPDs erhebliche Auswirkungen auf die Bewertung von Angeboten haben kann. Damit halten CO₂-Schattenpreise zunehmend Einzug in die Vergabepraxis und beeinflussen wirtschaftliche Entscheidungen direkt.

Zum Abschluss rückte die Qualität der zugrunde liegenden Daten in den Fokus. Prof. Dr. Birgit Grahl machte deutlich, dass Verifizierungsprozesse häufig nicht an den eigentlichen Daten scheitern, sondern an einer unzureichenden Dokumentation ihrer Qualität. Eine frühzeitige und nachvollziehbare Datenerfassung könne spätere Rückfragen und Verzögerungen vermeiden. Um Unternehmen und Planende dabei zu unterstützen, baut das IBU gemeinsam mit Prof. Grahl sein Weiterbildungsangebot aus und entwickelt praxisnahe Qualifizierungsangebote entlang des gesamten EPD-Prozesses.

Das Fazit des Fachforums war eindeutig: Verlässliche Umweltinformationen werden zu einer zentralen Grundlage für Entscheidungen im Bauwesen. Mit den neuen regulatorischen Anforderungen rückt die Qualität der Daten zunehmend in den Mittelpunkt – und wird damit zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für nachhaltiges Bauen.

IBU-Fachforum 2026

Rückblick

https://www.youtube.com/watch?v=TzG2B0GX-Mk&t=2s