
Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt zur Miete. Gleichzeitig sind viele Mietwohnungen energetisch sanierungsbedürftig, während die Kosten für Wohnen und Heizen insbesondere Haushalte mit niedrigen Einkommen stark belasten. Eine neue Studie von Zukunft KlimaSozial und dem Öko-Institut zeigt nun, wie die Wärmewende im Mietwohnungsbereich gelingen kann, ohne Mieterinnen und Mieter finanziell zu überfordern.
Die Autorinnen und Autoren identifizieren ein zentrales Problem: Das sogenannte Vermieter-Mieter-Dilemma. Während Eigentümerinnen und Eigentümer über Investitionen in Gebäude und Heizsysteme entscheiden, tragen Mietende die laufenden Energiekosten. Dadurch fehlen häufig ausreichende Anreize für energetische Modernisierungen und den Umstieg auf klimafreundliche Wärmeversorgung. Bisherige Instrumente wie die Modernisierungsumlage oder die CO₂-Kostenaufteilung greifen nach Einschätzung der Studie nur teilweise.
Besonders betroffen sind Haushalte mit geringen Einkommen. Sie machen einen großen Teil der Miethaushalte aus und wohnen überdurchschnittlich häufig in energetisch ineffizienten Gebäuden. Ihre Heizkostenbelastung liegt deutlich höher als die von Haushalten mit höheren Einkommen. Gleichzeitig fehlen ihnen oft die Möglichkeiten, selbst Einfluss auf Sanierungsentscheidungen oder den Austausch von Heizungen zu nehmen.
Um die Wärmewende sozial gerecht zu gestalten, schlägt die Studie vier zentrale Handlungsfelder vor. Erstens sollen sozialverträgliche Sanierungsanreize geschaffen werden. Dazu gehören eine Begrenzung regulärer Mieterhöhungen, eine stärkere Verknüpfung von Mieterhöhungen mit energetischen Verbesserungen sowie eine Reform der Modernisierungsumlage. Ziel ist es, Investitionen in Energieeffizienz attraktiver zu machen und zugleich die Belastung der Mietenden zu begrenzen.
Zweitens setzen die Autorinnen und Autoren auf bezahlbare Wärmekosten. Mietende sollen besser vor steigenden Kosten fossiler Heizungen geschützt werden. Diskutiert werden unter anderem eine stärkere Beteiligung von Vermietenden an Heizkosten ineffizienter Gebäude, eine bessere Regulierung von Fernwärmepreisen sowie Entlastungen beim Strompreis für Wärmepumpen. Hinzu kommen geringinvestive Maßnahmen wie Heizungsoptimierungen, die kurzfristig Energie sparen und Kosten senken können.
Bausteine und Reformoptionen für eine soziale Wärmewende im Mietwohnbereich; Quelle: Zukunft KlimaSozial und Öko-Institut e.V. (2026)
Der dritte Baustein betrifft den sozialen Wohnungsbau und die Wohngemeinnützigkeit. Die Studie empfiehlt zusätzliche Fördermittel für die energetische Modernisierung von Sozialwohnungen sowie eine stärkere Unterstützung gemeinwohlorientierter Wohnungsunternehmen. So soll langfristig bezahlbarer und klimafreundlicher Wohnraum gesichert werden.
Viertens werden Quartiersansätze vorgeschlagen. Mit einer neuen Programmsäule „Soziale Wärmewende“ innerhalb der Städtebauförderung sowie gezielten Förderaufschlägen für sogenannte Klimasozialquartiere könnten besonders benachteiligte Stadtteile und Wohngebiete stärker von energetischen Sanierungen und klimafreundlicher Wärmeversorgung profitieren.
Das Fazit der Studie ist eindeutig: Die Wärmewende im Mietwohnungsbereich wird nur dann erfolgreich sein, wenn Klimaschutz, Bezahlbarkeit und soziale Gerechtigkeit gemeinsam gedacht werden. Dafür brauche es einen Instrumentenmix, der Investitionen beschleunigt, Fehlanreize beseitigt und die Interessen der Mietenden konsequent berücksichtigt. Nur so könne klimaneutrales Wohnen für breite Bevölkerungsschichten erreichbar werden.
Bausteine für eine soziale Wärmewende im Mietwohnbereich
Zukunft KlimaSozial und Öko-Institut e.V. (2026)
https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Soziale-W%C3%A4rmewende-Mietwohnbereich-ZKS-%C3%96I.pdf


