Links: Tägliche Meeresoberflächentemperatur (°C), gemittelt über den tropischen Pazifik (155° O–90° W, 30° S–30° N). Rechts: Anomalien und Extremwerte der Meeresoberflächentemperatur für Mai 2026. Die Extremkategorien („kälteste“ und „wärmste“) basieren auf den Mai-Ranglisten für den Zeitraum 1979–2026. Die Werte werden ausschließlich für die eisfreien Ozeane berechnet. Die Karte zeigt den tropischen Pazifik (155° O–90° W, 30° S–30° N), der für die SST-Zeitreihe im linken Bildausschnitt herangezogen wurde, sowie die Niño-3,4-Region, die zur Überwachung der El-Niño-Bedingungen dient. Datenquelle: ERA5. Bildquelle: C3S/ECMWF
Der Mai 2026 war weltweit der zweitwärmste Mai seit Beginn der Aufzeichnungen. Besonders auffällig waren nach Angaben des Copernicus Climate Change Service (C3S) die außergewöhnlich hohen Meeresoberflächentemperaturen im tropischen Pazifik sowie eine ungewöhnlich frühe und intensive Hitzewelle in Westeuropa.
Die globale Durchschnittstemperatur lag im Mai 2026 bei 15,81 Grad Celsius und damit 1,42 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Auch die Temperaturen der eisfreien Ozeane erreichten mit durchschnittlich 20,9 Grad Celsius den zweithöchsten jemals für einen Mai gemessenen Wert.
Besondere Aufmerksamkeit richten Wissenschaftler auf den tropischen Pazifik. Dort stiegen die Wassertemperaturen weiter an und deuteten auf die mögliche Entwicklung eines El-Niño-Ereignisses hin. Nach Einschätzung der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bestand für den Sommer 2026 eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 Prozent, dass sich El Niño ausbildet. Dieses Klimaphänomen kann weltweit Wetterextreme wie Dürren, Starkregen oder Hitzewellen verstärken.
In Europa kam es ab dem 20. Mai zu einem abrupten Wetterumschwung. Nach einem vergleichsweise kühlen Frühjahr wurden große Teile Westeuropas von einer außergewöhnlich frühen Hitzewelle erfasst. In Frankreich, Portugal, Irland und Großbritannien wurden neue Temperaturrekorde für den Monat Mai registriert. Die gefühlten Temperaturen erreichten regional Werte zwischen 35 und 40 Grad Celsius.
Die Forscher führen die Hitzewelle auf ein stabiles Hochdruckgebiet zurück, das heiße Luftmassen über der Region festhielt. Gleichzeitig wurden in den angrenzenden Meeresgebieten starke marine Hitzewellen beobachtet. Die Entwicklung gilt als weiteres Indiz dafür, dass Europa als sich am schnellsten erwärmender Kontinent der Erde besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen ist.
Neben der Hitze verzeichneten weite Teile West-, Mittel- und Osteuropas zu geringe Niederschläge und unterdurchschnittliche Wasserstände in Flüssen. Gleichzeitig kam es in Teilen Nord- und Südosteuropas zu überdurchschnittlichen Regenfällen und Überschwemmungen. Auch die Polargebiete zeigten weiterhin deutliche Anzeichen des Klimawandels: Die Ausdehnung des Meereises lag sowohl in der Arktis als auch in der Antarktis erneut unter dem langjährigen Durchschnitt.
Die aktuellen Copernicus-Daten unterstreichen nach Auffassung der Wissenschaftler, dass außergewöhnliche Hitzeereignisse und andere Klimaextreme zunehmend zur Normalität werden und sich die globale Erwärmung sowohl an Land als auch in den Ozeanen weiter fortsetzt.
Surging Tropical Pacific ocean surface temperatures and early European heatwave in May
Europäische Kommission, Copernicus
https://climate.copernicus.eu/surging-tropical-pacific-ocean-surface-temperatures-and-early-european-heatwave-may

