
Die Gebäudebegrünungsbranche erweist sich als erstaunlich widerstandsfähig. Während viele Bereiche des Bauens weiterhin unter der schwachen Konjunktur leiden, verzeichneten sowohl Dach- als auch Fassadenbegrünungen im Jahr 2025 erneut deutliche Zuwächse. Das geht aus dem aktuellen Marktreport Gebäudegrün 2026 des Bundesverbands GebäudeGrün e. V. (BuGG) hervor. Gleichzeitig betont der Verband, dass sich die Branche zunehmend von einem Nischenmarkt zu einem zentralen Baustein klimaangepasster Stadtentwicklung entwickelt.
Besonders bei der Dachbegrünung setzt sich das Wachstum fort. Bundesweit wurden 2025 rund 9,2 Millionen Quadratmeter Dachfläche neu begrünt. Das entspricht einem Plus von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch dynamischer entwickelte sich die Fassadenbegrünung. Hier stieg die neu begrünte Fläche um mehr als 22 Prozent auf rund 168.000 Quadratmeter. Damit wächst ein Markt, der längst nicht mehr allein aus extensiven Gründächern besteht, sondern zunehmend auch Solargründächer, Biodiversitätsdächer, Retentionsdächer und komplexe Fassadenlösungen umfasst.
Die Zahlen machen aber auch deutlich, welches Potenzial noch ungenutzt bleibt. Trotz der positiven Entwicklung wurden 2025 lediglich 13,7 Prozent der neu entstandenen Flachdachflächen begrünt. Mehr als 86 Prozent blieben weiterhin ohne Begrünung. Genau hier sieht der BuGG die größten Chancen für die kommenden Jahre. Deutschland verfüge mittlerweile über einen geschätzten Bestand von rund 200 Millionen Quadratmetern begrünter Dachfläche und liege damit international in der Spitzengruppe. Gleichzeitig sei der Markt noch weit davon entfernt, sein tatsächliches Potenzial auszuschöpfen.
Rückenwind erhält die Branche dabei zunehmend aus Brüssel. Mit der europäischen Gebäuderichtlinie EPBD, der Energieeffizienzrichtlinie EED, der neuen Kommunalabwasserrichtlinie sowie der Verordnung zur Wiederherstellung der Natur hat die Europäische Union erstmals einen verbindlichen Rahmen geschaffen, der Dach- und Fassadenbegrünungen als Instrumente des Klimaschutzes, der Wasserbewirtschaftung und der Biodiversitätsförderung stärkt. Begrünungen gelten damit nicht mehr als freiwilliges Extra, sondern als Teil der zukünftigen Infrastruktur europäischer Städte.
Hinzu kommt eine wachsende Zahl kommunaler Förderprogramme. Mehr als die Hälfte aller deutschen Städte mit über 50.000 Einwohnern unterstützt inzwischen Gründächer finanziell. Bei Fassadenbegrünungen liegt der Anteil ähnlich hoch. Gleichzeitig schreiben immer mehr Kommunen Dach- und Fassadenbegrünungen in Bebauungsplänen fest oder gewähren Gebührennachlässe bei der Niederschlagswasserentsorgung.
Für den Verband ist deshalb klar: Gebäudebegrünung wird künftig eine Schlüsselrolle bei der Transformation der Städte spielen. Sie verbessert das Mikroklima, speichert Regenwasser, fördert die Artenvielfalt und trägt zur Senkung von Temperaturen in dicht bebauten Quartieren bei. Angesichts zunehmender Hitzeperioden und Starkregenereignisse dürfte die Nachfrage nach grünen Dächern und Fassaden deshalb weiter steigen. Die aktuellen Marktzahlen zeigen jedenfalls, dass die Branche ihren Wachstumskurs trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen fortsetzt.
BuGG-Marktreport Gebäudegrün 2026
Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung
Bundesverband GebäudeGrün BuGG (2026)


