
Die Transformation des Bauwesens zur Kreislaufwirtschaft ist eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre. Angesichts eines enormen Ressourcenverbrauchs, hoher CO₂-Emissionen und großer Abfallmengen im Bausektor gewinnt die Wiederverwendung von Bauteilen zunehmend an Bedeutung. Die von Baukultur NRW und Baukreisel veröffentlichte Studie „Zirkuläres Bauen in Nordrhein-Westfalen“ zeigt, wie Kommunen dabei eine entscheidende Rolle einnehmen können.
Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass die größten Herausforderungen nicht mehr in der technischen Machbarkeit liegen, sondern in der praktischen Umsetzung. Zirkuläres Bauen bedeutet, Gebäude und Materialien möglichst lange im Nutzungskreislauf zu halten. Neben Bestandserhalt, Umbau und Umnutzung rückt insbesondere die Wiederverwendung von Bauteilen in den Fokus, da sie gegenüber dem Recycling deutlich größere ökologische Vorteile bietet. Durch den Erhalt der sogenannten grauen Energie können erhebliche Mengen an CO₂-Emissionen und Primärrohstoffen eingespart werden.
Anhand eines Fallbeispiels aus Gelsenkirchen untersucht die Studie die Potenziale der Wiederverwendung von Ziegeln, Holz und Stahl. Gerade bei Ziegeln sind die Möglichkeiten erheblich: Viele ältere Gebäude enthalten große Mengen hochwertiger Mauerziegel, die nach selektivem Rückbau und Aufbereitung erneut eingesetzt werden können. Die Studie zeigt, dass allein in Gelsenkirchen durch anstehende Rückbauprojekte Hunderttausende Tonnen Ziegel für eine Wiederverwendung verfügbar sein könnten. Auch bei Holz und Stahl bestehen große Potenziale. Tragende Holzkonstruktionen können bei entsprechender Prüfung häufig ein zweites Leben erhalten, während insbesondere standardisierte Stahlprofile nahezu ohne Qualitätsverlust wieder eingebaut werden können.
Besondere Bedeutung misst die Studie den Kommunen bei. Sie steuern Planungs- und Genehmigungsprozesse, verfügen über umfangreiche Gebäudebestände und können über Vergabe, Beschaffung und Rückbauvorgaben entscheidende Impulse für die Etablierung regionaler Materialkreisläufe setzen. Durch verpflichtende Materialkartierungen, die Berücksichtigung von Wiederverwendung in Ausschreibungen oder den Aufbau lokaler Bauteilbörsen können Städte und Gemeinden die Voraussetzungen für einen funktionierenden Reuse-Markt schaffen.
Die Studie versteht Wiederverwendung dabei nicht nur als ökologisches Instrument, sondern auch als wirtschaftliche und baukulturelle Chance. Regionale Wertschöpfung, geringere Abhängigkeiten von Rohstoffmärkten und der Erhalt identitätsprägender Baumaterialien können dazu beitragen, eine neue Umbaukultur zu etablieren. Zirkuläres Bauen wird damit zu einem zentralen Baustein einer zukunftsfähigen und ressourcenschonenden Baupraxis in Nordrhein-Westfalen.
Zirkuläres Bauen in Nordrhein-Westfalen
Praktischer Leitfaden zur Wiederverwendung von Holz, Ziegel und Stahl
Baukultur NRW & Baukreisel e.V. 2026
https://baukultur.nrw/download/?id=11628&file=20260722_baukultur_studie_zirkulares_bauen_rz-web.pdf


