Biozementierter Karlsruher Feinsand: (a) Rasterelektronenmikroskopaufnahme der zementierten Sandkörner, (b) Triaxialprobe
Angesichts der hohen CO₂-Emissionen und des enormen Ressourcenverbrauchs im Bauwesen gewinnen nachhaltige Alternativen zu herkömmlichen Verfahren der Bodenverbesserung zunehmend an Bedeutung. Der Beitrag stellt zwei innovative Ansätze vor: die mikrobiell induzierte Kalzitausfällung (MICP, auch Biozementierung genannt) und den Einsatz wasserlöslicher Polymere. Bei der Biozementierung erzeugen Bakterien Kalzit im Porenraum des Bodens, wodurch Festigkeit und Steifigkeit erhöht sowie die Durchlässigkeit reduziert werden können. Die Methode bietet vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, etwa zur Bodenstabilisierung, Erosionsminderung oder sogar zur CO₂-Speicherung. Wasserlösliche Polymere ermöglichen ebenfalls eine gezielte Veränderung bodenmechanischer Eigenschaften. Sie können Böden abdichten, verfestigen, erosionsbeständiger machen oder als Stützflüssigkeiten im Spezialtiefbau eingesetzt werden. Beide Technologien gelten als vielversprechende Bausteine für eine nachhaltigere Geotechnik, stehen jedoch noch vor Herausforderungen hinsichtlich technischer Umsetzung, Langzeitverhalten und regulatorischer Rahmenbedingungen. Dennoch zeigen aktuelle Forschungs- und Praxisprojekte, dass sie großes Potenzial besitzen, konventionelle Verfahren künftig sinnvoll zu ergänzen oder teilweise zu ersetzen.
Lieske, W.; Baille, W.; Zeitouny, J.; Verst, R.; Wichtmann, T. (2026) Geotechnik im Wandel – neue Verfahren mit Biozementierungen und Polymeren. geotechnik 49, H. 1, S. 54–67. https://doi.org/10.1002/gete.70008


