Oslo Architecture Triennale 2026 – What if Nature Comes First? – Kuratorin Line RamstadOslo Architecture Triennale 2026 – What if Nature Comes First? – Kuratorin Line Ramstad

Die Oslo Architecture Triennale 2026 stellt die Leitfrage: „Was wäre, wenn die Natur an erster Stelle stünde?“ Ausgangspunkt ist die Diagnose, dass unsere heutige Bau- und Konsumkultur die ökologischen Belastungsgrenzen des Planeten überschreitet. Besonders die Baubranche trägt durch Ressourcenverbrauch, Abfälle und Emissionen erheblich zur Umweltkrise bei. Die Kurator:innen unter Leitung von Line Ramstad kritisieren, dass wirtschaftliche Entscheidungen vor allem vom Preis und nicht vom tatsächlichen Wert oder den ökologischen Kosten geprägt werden. Stattdessen fordern sie ein Umdenken, bei dem die Bedürfnisse von Natur und zukünftigen Generationen stärker berücksichtigt werden.

Die Triennale versteht Architektur als Teil der Lösung und untersucht, wie Bauen innerhalb planetarer Grenzen möglich sein kann. Symbolisch dafür steht die Sofienberg-Kirche in Oslo, die nicht abgerissen, sondern in einen kulturellen Treffpunkt umgewandelt wird. Die Transformation bestehender Gebäude wird als wichtiger Beitrag zu einer nachhaltigeren Zukunft verstanden.

1. Pihlmann Architects — Thoravej 291. Pihlmann Architects — Thoravej 29

Das Programm gliedert sich in vier Ebenen. Auf der Ebene der Materialien wird dafür plädiert, Baustoffe entsprechend ihrer lokalen Eignung einzusetzen und möglichst regional zu beziehen. Materialien sollen nicht allein nach Kosten oder globaler Verfügbarkeit ausgewählt werden, sondern nach ihren ökologischen Auswirkungen und ihrer langfristigen Leistungsfähigkeit.

Die Ebene der Strukturen beschäftigt sich mit dem Erhalt und der Wiederverwendung bestehender Bauten. Die Triennale argumentiert, dass die bereits in Gebäude investierten Materialien, Arbeitsleistungen und Ressourcen einen Wert darstellen, der bei Abriss verloren geht. Deshalb sollten Umbau, Anpassung und Weiternutzung grundsätzlich Vorrang vor Neubau und Abriss haben.

Unter dem Stichwort Territorien wird gefordert, Planung stärker an natürlichen Gegebenheiten auszurichten. Statt die Natur kontrollieren zu wollen, sollten Architektur und Stadtplanung mit ihr zusammenarbeiten. Projekte, die Bodenqualität, Wasserhaushalt und Biodiversität einbeziehen, werden als Beispiele für widerstandsfähigere und klimaangepasste Räume hervorgehoben.

2. HouseEurope! — Olaf Grawert & Arno Brandlhuber2. HouseEurope! — Olaf Grawert & Arno Brandlhuber

Die vierte Ebene, Systeme, richtet den Blick auf politische, rechtliche, wirtschaftliche und ethische Rahmenbedingungen. Die Autor:innen argumentieren, dass Natur einen Eigenwert besitzt und nicht nur nach ihrem Nutzen für den Menschen bewertet werden darf. Um den ökologischen Herausforderungen wirksam zu begegnen, müsse daher nicht nur das Bauen selbst, sondern auch das zugrunde liegende Werte- und Entscheidungssystem verändert werden.

Insgesamt versteht die Triennale die Frage „What if Nature Comes First?“ als Einladung, die Beziehung zwischen Architektur, Gesellschaft und Umwelt grundlegend neu zu denken und bestehende, bereits erprobte Lösungsansätze stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Aussteller-Shortlist

1. Pihlmann Architects — Thoravej 29
Copenhagen, Denmark · international
Fresh from curating Denmark’s acclaimed “Build of Site” pavilion at the 2025 Venice Architecture Biennale, Søren Pihlmann brings Thoravej 29 to Oslo. The transformation of an existing industrial building keeps almost everything already there, reworking the structure and its surplus materials on site rather than demolishing and starting over. It is a built argument for the Triennale’s second scale: that the most sustainable building is very often the one that already stands.
Scale: Structures — using and reusing the existing

3. Nordic Circles — VILL Arkitektur3. Nordic Circles — VILL Arkitektur

2. HouseEurope! — Olaf Grawert & Arno Brandlhuber
Berlin / Zurich · international
Every minute, a building is demolished somewhere in Europe. HouseEurope! — a European Citizens’ Initiative launched by Olaf Grawert and Arno Brandlhuber, and awarded the 2025 OBEL Award — wants to change the law so that keeping and adapting a building beats tearing it down. Part campaign, part manifesto, backed by more than 80,000 signatures, its contribution takes the Triennale’s boldest line literally: if the system is broken, fix it.
Scale: Systems — challenging hierarchies of value

3. Nordic Circles — VILL Arkitektur
Bergen, Norway
What happens to a North Sea platform when its working life ends? VILL Arkitektur’s Nordic Circles follows the steel. Instead of shredding decommissioned ships and offshore structures into scrap, hull sections are cut into plates that can carry load again in new buildings. It is a distinctly Norwegian answer to a global question — turning the country’s offshore legacy into a construction material for the next century.
Scale: Structures & Materials — using and reusing the existing

4. Vollebekk Torg — SOLA, Studio Oslo Landskapsarkitekter
Oslo, Norway
The Winner of the 2025 Oslo City Architecture Prize shows what “planning in line with nature” looks like at street level. A new neighbourhood square built on reuse, circular material flows and genuine neighbourhood involvement, it is the rare exhibition piece you can already visit, a public space in Oslo showing the proof the Triennale argues for.
Scale: Territories — planning in line with nature

4. Vollebekk Torg — SOLA, Studio Oslo Landskapsarkitekter4. Vollebekk Torg — SOLA, Studio Oslo Landskapsarkitekter

Oslo Architecture Triennale 2026 - What if Nature Comes First?

  1. September bis 1. Oktober 2026, Sofienberg-Kirche, Oslo
    www.oslotriennale.no