Quelle: LIGARO
Klebstoffe sind in der Bau- und Möbelbranche allgegenwärtig – und dennoch kaum sichtbar. Die meisten Holzwerkstoffe wie Holzfaserdämmstoffe oder Sperrholz werden mit Klebstoffen hergestellt, die mehrheitlich auf fossilen Rohstoffen basieren und Schadstoffe wie Formaldehyd oder Isocyanate enthalten. Gleichzeitig verhindert die mangelnde Recyclingfähigkeit dieser Klebstoffe eine effiziente Kreislaufwirtschaft – bis zu 60 Prozent des Holzabfalls ist durch Klebstoffe kontaminiert und landet deshalb oft in der thermischen Verwertung statt im werkstofflichen Recycling.
Das Hannoveraner Technologie-Start-up LIGARO hat sich dieser Herausforderung angenommen. Das 2026 gegründete Unternehmen entwickelt biobasierte Klebstoffsysteme für die holzverarbeitende Industrie – fossilfrei, frei von kennzeichnungspflichtigen Gefahren gemäß CLP und auf Kreislauffähigkeit ausgelegt. Die patentangemeldete Technologie basiert auf modifizierten Pflanzenproteinen aus industriellen Reststoffströmen, etwa aus der Lebensmittelverarbeitung. Allein in der EU fallen jährlich über 45 Millionen Tonnen solcher proteinreicher Nebenströme an, die bislang weitgehend ungenutzt bleiben.
Leistung ohne Kompromisse
Was bislang als Zielkonflikt galt – wasserfeste und gleichzeitig biobasierte Kleber –, wird durch LIGAROs Technologie aufgelöst. Durch eine gezielte Modifikation der Pflanzenproteine wird deren Reaktivität erhöht, sodass sie mit unbedenklichen Vernetzern stabile und wasserfeste Bindungen eingehen können. Der Klebstoff enthält kein zugesetztes freies Formaldehyd. In bisherigen Tests zeigt sich regelmäßig: Das Holz versagt vor dem Klebstoff – ein starker Indikator für die Bindungsstärke des Systems.
Erste interne Lebenszyklusanalysen zeigen, dass der LIGARO-Klebstoff im Vergleich zu konventionellen UF-, MUF- und PF-Systemen einen bis zu 85 Prozent geringeren CO₂-Fußabdruck aufweist. Bereits bei der Herstellung einer Tonne Klebstoff können so rund 1,3 Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart werden.
Systemwirkung: Kreislauffähigkeit als Mehrwert
Der ökologische Mehrwert von LIGARO geht über die Rohstoffbasis hinaus. Der Klebstoff ist biologisch abbaubar formuliert und verbessert die Recyclingfähigkeit verklebter Holzprodukte erheblich. Statt thermischer Verwertung wird werkstoffliches Recycling möglich – Holz als natürlicher CO₂-Speicher kann so länger im Kreislauf gehalten werden. Das ist auch wirtschaftlich relevant: Große Abnehmer wie IKEA haben sich verpflichtet, ihre materialbedingten CO₂-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent zu senken, und erzeugen damit direkten Druck auf die gesamte Lieferkette.
Quelle: LIGARO
Interdisziplinäres Gründungsteam
LIGARO wurde von drei Gründerinnen ins Leben gerufen und vereint in seinem heute sechsköpfigen Team Expertise aus Holz- und Umweltingenieurwesen, Chemie, Life Sciences und Wirtschaft. Die Idee entstand buchstäblich im Keller: Florentine Adam, Holz- und Umweltingenieurin, baute seit ihrer Jugend Holz-Surfbretter und störte sich daran, beim Kleben mit gesundheitlich belastenden Stoffen arbeiten zu müssen. (Mona Körding verantwortet als Life Scientist die Proteinentwicklung, Joana Kappes bringt mehrjährige Erfahrung in der Strategieberatung und im Aufbau nachhaltiger Geschäftsmodelle mit.)
Stand und nächste Schritte
Das Unternehmen wird über das EXIST-Gründungsstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert und ist in den Future GreenTech Incubator aufgenommen worden. Die Labore auf dem Campus der Leibniz Universität Hannover sind seit Ende 2025 vollständig in Betrieb. Zwei Patente wurden eingereicht. Mehrere Unternehmen aus der Holzindustrie haben bereits zugesagt, den LIGARO-Klebstoff zu testen – zusammen verwenden sie mehrere Hunderttausend Tonnen Klebstoff pro Jahr. Für 2026 sind erste Pilottests bei industriellen Anwendern geplant.
LIGARO sucht weiterhin aktiv Pilotpartner aus der Holz- und Baustoffbranche – überall dort, wo ein Wechsel auf einen heißaushärtenden Proteinkleber denkbar ist.

