Die Entsorgung mineralischer Bauabfälle entwickelt sich zunehmend zu einer Herausforderung für die Bauwirtschaft. Sinkende Deponiekapazitäten, längere Transportwege und steigende Entsorgungskosten erhöhen den Druck, alternative Verwertungswege für Aushub- und Abbruchmaterialien zu schaffen. Vor diesem Hintergrund wurde ein Forschungsprojekt der Frankfurt University of Applied Sciences mit dem Sustain Award 2026 ausgezeichnet. Das Vorhaben untersucht, wie mineralische Bauabfälle wiederverwendet und gleichzeitig Primärrohstoffe eingespart werden können.

Im Mittelpunkt des Projekts „Kreislauforientierte Material- und Verfahrenskonzepte zur Wiederverwertung von mineralischen Bauabfällen“ steht die Entwicklung sogenannter zeitweise fließfähiger Bodenbaustoffe. Dabei werden Aushub- und Bodenmaterialien mit Wasser, Tonmineralien und geringen Mengen Zement aufbereitet, sodass sie für Baugrundverbesserungen eingesetzt werden können. Auf diese Weise lassen sich bisher entsorgte mineralische Stoffströme wieder in den Materialkreislauf zurückführen und natürliche Rohstoffe wie Kies oder Sand ersetzen.

Die Forschenden untersuchen insbesondere die technische Umsetzbarkeit, das mechanische Verhalten sowie die umwelttechnische Eignung der entwickelten Baustoffe. Erste Laborergebnisse deuten darauf hin, dass Tonminerale Schadstoffe und Schwermetalle wirksam binden können. Ziel ist es nun, die langfristige Praxistauglichkeit der Materialien nachzuweisen und ihre Anwendung in realen Bauprojekten zu ermöglichen. Das Verfahren verspricht nicht nur eine Verringerung des Deponiebedarfs, sondern auch eine Reduktion von CO₂-Emissionen und einen sparsameren Umgang mit endlichen Ressourcen.

Nach Angaben der Forschenden könnten in mehreren Bundesländern bereits vor 2030 die verfügbaren Deponiekapazitäten für bestimmte Bauabfälle ausgeschöpft sein. Das ausgezeichnete Projekt liefert daher einen praxisnahen Ansatz, um die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen zu stärken und die Abhängigkeit von Primärrohstoffen zu verringern. Die Jury würdigte insbesondere den Beitrag des Vorhabens zur nachhaltigen Transformation der Bauwirtschaft sowie dessen Potenzial, ökologische und wirtschaftliche Herausforderungen gleichermaßen zu adressieren.

Der Sustain Award wird seit 2024 von der Frankfurter Stiftung für Forschung und Bildung gemeinsam mit einem Förderpartner vergeben. Ausgezeichnet werden Projekte, die wissenschaftliche Exzellenz mit sozialer, ökologischer und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit verbinden.