Quelle: David MatthiessenQuelle: David Matthiessen

Mit der Aquabox ist in Stuttgart-Zuffenhausen ein Hallenbad in Betrieb gegangen, das nicht nur als temporäre Ersatzwasserfläche dient, sondern von Beginn an für mehrere Nutzungs- und Standortzyklen geplant wurde. Das zweigeschossige Gebäude soll zunächst während der Erneuerung bestehender Bäder den Schwimm- und Badebetrieb sichern, anschließend an weitere Standorte innerhalb des Stadtgebiets versetzt und dort weitergenutzt werden. Das Projekt verfolgt damit einen Ansatz, bei dem kommunale Infrastruktur flexibel auf veränderte Bedarfe reagieren kann, ohne für jeden Standort neu errichtet werden zu müssen.

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Das Hallenbad basiert auf einer modularen Holzbauweise und besteht aus 46 vorgefertigten Raummodulen, die Funktionen wie Umkleiden, Sanitärbereiche, Personalräume und technische Anlagen aufnehmen. Herzstück der Anlage ist ein 25 Meter langes Schwimmbecken mit fünf Bahnen und Teilhubboden. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglichte eine weitgehende industrielle Fertigung und reduzierte die erforderlichen Bauarbeiten vor Ort.

Besonders bemerkenswert ist die konsequente Ausrichtung auf Rückbau und Wiederverwendung. Konstruktion, Ausbau und Gebäudetechnik wurden so geplant, dass sich das Gebäude demontieren, transportieren und an einem neuen Standort erneut aufbauen lässt. Dieses Prinzip reicht bis in die konstruktiven Details hinein: Verbindungen, Fassadenelemente, technische Installationen und selbst das Schwimmbecken sind auf eine spätere Zerlegung und Wiedermontage ausgelegt. Rückbau und Wiederaufbau werden damit nicht als nachträgliche Option verstanden, sondern als integraler Bestandteil des Entwurfs- und Planungskonzepts.

Längsschnitt: 1 Kelterplatz | 2 Fahrradstellplätze | 3 Technikzentrale | 4 Technikbereich | 5 Putzmittelraum | 6 Aufsichtsraum | 7 Beckenumgang; Quelle: 4a ArchitektenLängsschnitt: 1 Kelterplatz | 2 Fahrradstellplätze | 3 Technikzentrale | 4 Technikbereich | 5 Putzmittelraum | 6 Aufsichtsraum | 7 Beckenumgang; Quelle: 4a Architekten

Die Umsetzung stellte hohe technische Anforderungen. Hallenbäder gehören aufgrund der dauerhaft hohen Luftfeuchtigkeit, der chlorhaltigen Umgebung sowie der komplexen Wasser- und Gebäudetechnik zu den anspruchsvollsten Gebäudetypen. Gleichzeitig mussten alle Bauteile so entwickelt werden, dass sie auch nach Jahren intensiver Nutzung erneut demontiert werden können. Besondere Aufmerksamkeit galt daher den Anschlüssen zwischen den Modulen, die dauerhaft luft- und wasserdicht funktionieren und dennoch lösbar bleiben müssen.

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Konstruktiv kombiniert das Projekt verschiedene Holzbausysteme. Während die Funktionsbereiche in Modulbauweise ausgeführt wurden, entstand die Badehalle als Holzskelett- und Elementkonstruktion mit großformatigen Brettschichtholzträgern und Brettsperrholzelementen. Das Edelstahlbecken wurde aus mehreren Segmenten zusammengesetzt und kann für einen künftigen Standortwechsel wieder zerlegt werden. Auch die Tragstruktur berücksichtigt die Anforderungen späterer Umsetzungen.

Architektonisch bleibt die Modularität bewusst sichtbar. Die Fassade macht durch ablesbare Fugen und differenzierte Farbtöne der Holzbekleidung das Konstruktionsprinzip nachvollziehbar. Im Inneren sorgen großzügige Verglasungen, Oberlichter und sichtbare Holzoberflächen für Tageslicht und eine klare Orientierung. Die räumliche Organisation folgt den funktionalen Abläufen eines Hallenbads und verbindet kurze Wege mit einer übersichtlichen Besucherführung.

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Als offizielles Projekt der IBA’27 StadtRegion Stuttgart zeigt die Aquabox exemplarisch, wie sich industrielle Vorfertigung, Holzbau und zirkuläre Planungsstrategien in der öffentlichen Infrastruktur verbinden lassen. Das Hallenbad versteht sich nicht als temporärer Ersatzbau mit begrenzter Lebensdauer, sondern als langfristig nutzbare Ressource, die über mehrere Standorte hinweg eingesetzt werden kann. Damit liefert das Projekt einen praktischen Beitrag zur Diskussion um kreislaufgerechtes Bauen und die flexible Nutzung kommunaler Gebäude.