GWP-Beiträge nach Lebenszyklusmodul für den LK163-Straßenbelag über die RSL der Asphalttragschicht.GWP-Beiträge nach Lebenszyklusmodul für den LK163-Straßenbelag über die RSL der Asphalttragschicht.

Eine Studie der TU Wien untersucht, wie sich Umweltwirkungen und technische Leistungsfähigkeit von Asphaltmischungen gemeinsam bewerten lassen. Dazu werden eine Lebenszyklusanalyse (LCA) und eine mechanistisch-empirische Fahrbahnbemessung (MEPD) kombiniert. Ziel ist es, nicht nur die CO₂-Bilanz von Asphaltmischungen zu betrachten, sondern diese in Relation zur tatsächlichen Dauerhaftigkeit und Belastbarkeit der Straße zu setzen.

Im Fokus stehen zwei wesentliche Strategien zur nachhaltigeren Straßenbauweise: der Einsatz von Recyclingasphalt (RAP, Reclaimed Asphalt Pavement) sowie polymermodifizierte Bitumen (PmB). Während hohe RAP-Anteile den Verbrauch von Primärrohstoffen und damit das Treibhauspotenzial deutlich senken können, besteht gleichzeitig das Risiko einer geringeren Ermüdungsbeständigkeit. Polymermodifizierte Bindemittel verursachen hingegen höhere Herstellungs-Emissionen, können jedoch die Lebensdauer der Asphaltkonstruktion verlängern.

Untersucht wurden zwei typische Straßenaufbauten mit stark unterschiedlichen Verkehrsbelastungen: eine hoch belastete Straße mit 163 Millionen Achslastwechseln sowie eine gering belastete Straße mit 400.000 Achslastwechseln. Für beide Varianten wurden unterschiedliche RAP-Anteile von bis zu 60 Prozent sowie verschiedene SBS-Polymergehalte im Bitumen analysiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass höhere Recyclinganteile die Umweltbilanz deutlich verbessern. Bei unveränderter mechanischer Leistungsfähigkeit reduzierte ein RAP-Anteil von 60 Prozent das Treibhauspotenzial um bis zu 9,4 Prozent bei hoch belasteten Straßen und um bis zu 15,7 Prozent bei niedrig belasteten Straßen. Bereits 20 Prozent RAP kompensieren nahezu vollständig die zusätzlichen Emissionen, die durch einen höheren Polymeranteil im Bitumen entstehen.

Gleichzeitig verdeutlichen die Berechnungen, dass die Umweltvorteile nur dann tatsächlich wirksam sind, wenn die erforderliche technische Performance erreicht wird. Besonders bei stark belasteten Straßen sind hohe Anforderungen an Steifigkeit und Ermüdungsbeständigkeit notwendig, um die gewünschte Lebensdauer sicherzustellen. Verbesserte Materialeigenschaften können dabei höhere Umweltlasten ausgleichen. So führte eine Erhöhung der Ermüdungsbeständigkeit um 10 µm/m zu einer Verbesserung des kombinierten Umwelt- und Leistungsindikators von rund vier Prozent bei hoher und sechs Prozent bei niedriger Verkehrsbelastung.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass Asphaltmischungen nicht allein anhand ihres CO₂-Fußabdrucks bewertet werden sollten. Erst die Kombination aus Umweltwirkung und technischer Leistungsfähigkeit ermöglicht eine realistische Nachhaltigkeitsbewertung. Die Studie liefert damit einen praxisnahen Ansatz für die Planung nachhaltiger Straßenbauprojekte und zeigt, dass sowohl Recyclingmaterialien als auch leistungsfähigere Bindemittel einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung des Straßenbaus leisten können, sofern ihre mechanischen Eigenschaften den jeweiligen Anforderungen entsprechen.

Quelle: Schönauer, P., Gruber, M.R., Hofko, B. (2026) Environmental-mechanical assessment of asphalt mixture using MEPD: A study of GWP trade-offs based on fatigue performance: Construction and Building Materials in Transportation 3, 10.1016/j.jcbmtr.2026.100022