Ein Interview mit Christian Etz, GF Rohrdorfer Trockenbaustoffe

Christan EtzChristan Etz

Herr Etz, können Sie unseren Lesern die Geschichte von SAKRET kurz erläutern?

Aber gern. Die Marke SAKRET, mit dem markanten schwarz-gelben Logo ist Vielen, wohl auch über die Branche hinaus, geläufig; aber dass der Gründer von SAKRET, der gleichzeitig Erfinder von Trockenbaustoffen war, auch der ist, der erstmals ein Lizenzmodell in der Baubranche eingeführt hat, das dürften wohl nur wenige Brancheninsider wissen. Und die Geschichte ist tatsächlich schon 90 Jahre alt. Es war der amerikanische Bauingenieur Arthur C. Avril, der 1936 Zement, Sand und Kies als fertige Werk-Trocken-Gemische für die unterschiedlichsten Zwecke auf den Markt brachte. Daher leitet sich auch der Name Sakret ab aus den englischen Wörtern „Sak“ und „Concrete“ (Beton). Und dieses Produkt war von Anfang an ausgesprochen erfolgreich. Avril hatte da einfach einen Bedarf erkannt.

Es war ja so, dass der Baustoff zuvor auf der Baustelle unter unterschiedlichen Bedingungen und daher mit großen – auch qualitativen – Schwankungen hergestellt wurde. Bei SAKRET wurde er nun mit gleichmäßiger Qualität trocken vorbereitet. Aber damit nicht genug, erkannte der SAKRET-Gründer zugleich, dass neben diesem unmittelbaren Produktvorteil auch der Faktor regionale Nähe ausschlaggebend war. Daher entwickelte er zuerst in den USA ein Lizenzmodell, das nach und nach auf die ganze Welt ausgeweitet wurde. Ja und beide Faktoren, also einfache Produkthandhabe und Nähe zum Kunden, sind im Grunde auch heute noch die Säulen des SAKRET-Markterfolgs.

Wenn man vielleicht sagen kann: Mörtel = Mörtel, gilt das so, wie Sie sagen, für höherwertige Produkte nicht. Wo liegen die USP Ihrer Produkte im Vergleich zu den Marktbegleitern.

Nun, die Marke SAKRET gründet ja in einer Vereinigung von mittelständischen Baustoffherstellern, die deutschlandweit ein einheitliches Sortiment anbieten wollten.

Neben dem Grundsortiment bietet SAKRET ja auch in Verbindung zu den regionalen Handwerkern und den entsprechenden Marktbedingungen eine Vielzahl spezialisierter Produkte. Und da ist es so, dass unsere unmittelbare Beziehung zu den Handwerkern vor Ort und deren Feedback, auf das wir reagieren, die große Stärke von SAKRET ist. Und damit ist SAKRET nun mal in puncto Service und Vertrieb präsenter als viele andere Marken. Ein zweites wichtiges Standbein ist das Baumarktgeschäft. Und hier bieten wir schon immer ein deutschlandweit einheitliches Produktprogramm.

Könnten Sie das Produktportfolio von SAKRET im Hinblick auf Nachhaltigkeit kurz umreißen?

Beispiele für Produkte mit „Blauer Engel“-Zertifikat Foto: SAKRETBeispiele für Produkte mit „Blauer Engel“-Zertifikat Foto: SAKRET

Es ist für uns ein absolut wichtiges Ziel, unsere Produkte immer nachhaltiger zu machen. Und da ist und bleibt das Thema “CO₂-Emissionen“, das die gesamte Baustoffbranche um- und antreibt. Tatsächlich verfolgen wir, unabhängig von der steigenden CO₂-Bepreisung durch den ETS-Handel, seit vielen Jahren konsequent das Ziel, den Zementanteil in unseren Trockenbaustoffen zu senken und gleichzeitig durch CO₂-reduzierte Zemente auszutauschen.

Darüber hinaus rüsten wir bereits seit vielen Jahren unsere Standorte um, was uns eine immer umweltfreundlichere Produktion ermöglicht. Dazu zählt etwa der kontinuierliche Ausbau unserer Standorte mit PV-Anlagen, inklusive der Umstellung auf Elektromobilität. Unser Fuhrpark für Mitarbeitende ist schon überwiegend elektrifiziert. Und da ist vieles schon, wie es sein sollte, indem die Ziele Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit hier mittlerweile Hand in Hand gehen. Das ist politisch so gewollt und für den Wettbewerb grundsätzlich nicht schlecht.

Auch für ungewöhnliche Projekte, wie die Renovierung des Schneefernhauses auf der Zugspitze, kommen SAKRET-Produkte zum Einsatz. Foto: SAKRETAuch für ungewöhnliche Projekte, wie die Renovierung des Schneefernhauses auf der Zugspitze, kommen SAKRET-Produkte zum Einsatz. Foto: SAKRET

Während Rohrdorfer in Deutschland eher seine regionalen Stärken im süddeutschen Raum ausspielt, sind Sie mit SAKRET bundesweit unterwegs. Was bedeutet das für die Vertriebsstrukturen Ihres Unternehmens?

Eine der Stärken von Rohrdorfer besteht seit jeher darin, Synergien zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen zu nutzen. Davon wird auch die Trockenbaustoffsparte profitieren. Hier werden die Kunden hinsichtlich des Vertriebs von dem gebündelten Wissen und den Serviceleistungen der Rohrdorfer Unternehmensgruppe profitieren. Da reicht das Spektrum von innovativen Digitalisierungslösungen, über hochspezielle Betonzusatzmittel, die Rohrdorfer selbst entwickelt, bis hin zu Schulungsangeboten für Fachkräfte. Im Übrigen ist der bundesweite Vertrieb bei SAKRET schon seit vielen Jahrzehnten gang und gäbe. Wissen Sie, gerade was die Belieferung von großen Baumarktketten betrifft, kann SAKRET aufgrund des Lizenzmodells bei Bedarf als Einheit agieren; aber eben auch flexibel auf regionale Besonderheiten reagieren, z. B. wenn es in bestimmten Gebieten eine hohe Nachfrage nach Produkten zur Fassadenrestaurierung oder -gestaltung gibt, weil dort große Altbaubestände vorhanden sind.

Die Rohrdorfer Trockenbaustoffsparte ist ja noch recht jung. Im Januar 2026 ist sie gegründet worden, und wir konnten in dieser ja eher kurzen Zeitspanne schon eine Vielzahl von Punkten finden, bei denen sich die Rohrdorfer- und SAKRET-Welt gegenseitig bereichern – zum Wohl unserer Kunden.

Bei SAKRET setzt man auf Photovoltaik. Hier das Werk Riesa in Sachsen aus der Vogelperspektive Foto: SAKRETBei SAKRET setzt man auf Photovoltaik. Hier das Werk Riesa in Sachsen aus der Vogelperspektive Foto: SAKRET

Wie bewerten Sie denn die Bedeutung des Themas Betonsanierung für Ihr Unternehmen in finanzieller wie strategischer Hinsicht?

Da spielt es tatsächlich eine große Rolle, dass wir schon ein Jahr nach der Gründung noch einmal deutlich wachsen werden: Die Rohrdorfer Trockenbaustoffsparte umfasst in Deutschland derzeit die Gebiete Bayern und Sachsen. Anfang 2027 kommen die Gebiete Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern (Nordost) sowie Baden-Württemberg dazu. Und da ist es eines meiner vorrangigsten Ziele, in diesem zusammenhängenden Gebiet für das Profigeschäft ein einheitliches Produktsortiment für die überregionalen Kunden anzubieten.

Das Waldschlösschen Rochlitz in Sachsen wurde mit handwerklicher Expertise und SAKRET-System-Baustoffen denkmalgerecht saniert – ein Vorzeigeprojekt für Denkmalschutz und nachhaltige Baukunst. Fotos: SAKRETDas Waldschlösschen Rochlitz in Sachsen wurde mit handwerklicher Expertise und SAKRET-System-Baustoffen denkmalgerecht saniert – ein Vorzeigeprojekt für Denkmalschutz und nachhaltige Baukunst. Fotos: SAKRET

Das Waldschlösschen Rochlitz in Sachsen wurde mit handwerklicher Expertise und SAKRET-System-Baustoffen denkmalgerecht saniert – ein Vorzeigeprojekt für Denkmalschutz und nachhaltige Baukunst. Fotos: SAKRETDas Waldschlösschen Rochlitz in Sachsen wurde mit handwerklicher Expertise und SAKRET-System-Baustoffen denkmalgerecht saniert – ein Vorzeigeprojekt für Denkmalschutz und nachhaltige Baukunst. Fotos: SAKRET

Für jene Bereiche, die ein sehr hohes Spezialwissen erfordern, wie etwa die Betoninstandsetzung, planen wir, eine firmenübergreifende technische Betreuung und einen übergreifenden Vertrieb einzurichten. Außerdem sollen unsere Kunden in den Bereichen Sanierung, Fassadenbau oder Fliesen ebenfalls von dem Know-how-Transfer zwischen unseren Experten in den einzelnen Gebieten profitieren. Aktuell sind wir dabei, passende Prozesse zu etablieren, um Wissen zu bündeln und zügig weitergeben zu können.

Die Sanierung im Dünnschichtbereich ist ja ein Spezialgebiet von SAKRET und wird oft für die Instandsetzung von Infrastruktur angewendet. Erwarten Sie hier durch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität des Bundes eine Belebung des Geschäfts?

Naja, unsere Baustoffe werden zwar zum Großteil maschinell, teilweise aber auch von Hand verbaut. Und für beides braucht es Fachkräfte, was nun mal in diesem Geschäftsfeld das klassische Nadelöhr ist. Wir begegnen aber dieser Herausforderung, indem wir unser Programm für Praxis- und Theorieschulungen ausweiten – sprich näher an die Zielgruppe bringen. Angesichts der Masse an Infrastruktur, die sanierungsbedürftig ist, bin ich zuversichtlich, dass wir die Marktlage gut für uns nutzen können.

In Ihrem Portfolio haben Sie vegane Putze. Viel nachhaltiger geht es kaum, oder? Und: Wie sieht es da bei der Nachfrage aus?

Nun, unsere veganen Produkte werden nach wie vor deutschlandweit nachgefragt. Doch die Marktbedürfnisse ändern sich natürlich ständig, und da SAKRET stets den Anspruch hat, ganz nah am Kunden zu sein, entwickeln wir uns da gerne mit. Potenzial sehe ich primär im gesamten Sanierungsbereich, im Wohnungsbau sowie im Gewerbebau bei Brücken, Parkhäusern und Tiefgaragen. CO₂-reduzierte Baustoffe und Produkte mit Recyclinganteil stehen definitiv hoch im Kurs. Auch staubarme und lösemittelfreie Produkte sind gefragt. Da besitzen einige unserer Produkte natürlich auch das Zertifikat „Blauer Engel“.

Thema WDVS – Wie sehen Sie hier die Entwicklung und was würden Sie sich für diesen Bereich – auch baupolitisch – wünschen?

Ja, dieses Thema treibt in der Tat die ganze Branche um. Laut WDVS-Verband sind die Umsätze in diesem Bereich um 30 Prozent zurückgegangen, was u. a. am Einbruch beim Neubau von Ein- und Mehrfamilienhäusern liegt. Wenn die Energiepreise weiter steigen, werden die WDVS aber wieder Fahrt aufnehmen. Allerdings hängt der Einsatz ja immer vom Bauherrn ab, und gerade wenn junge Familien neu bauen, ist das Geld knapp, und man spart, wo man kann. Da ist das Thema Dämmung dann oft keine Priorität eins, auch wenn man theoretisch wüsste, dass sich langfristig damit reichlich Energie und Geld sparen ließen. Hier müsste die Politik mit gezielten Anreizen eingreifen, z. B. durch Bürokratieabbau, Stärkung der Förderung von energetischer Sanierung, mehr öffentliche Investitionen und Programme zur Förderung der Baukonjunktur, dauerhafte Wohnbauförderung sowie eine ganzheitliche Betrachtung von Energie- und Gebäudepolitik.

Zudem gibt es neben dem Neubau ein riesiges Potenzial bei Altbauwohnungen und Häusern. Jede Wärmedämmsanierung in diesem Bereich geht ganz klar mit einer Einsparung von Energie- und Heizkosten einher, und ist damit aktiver Klimaschutz.

Herr Etz, haben Sie Dank für dieses Interview

Die Fragen stellte Burkhard Talebitari

Kurzvita

Christan Etz

  • Seit 2026 GF der Rohrdorfer Trockenbaustoffe, inklusive SAKRET München und SAKRET Berlin
  • 2025 Projektleiter für den Verkauf der SAKRET Büechl-Beteiligungen an die Rohrdorfer Trockenbaustoffe
  • 1991 bis 2025 Aufbau und Geschäftsführung der Sakret Beteiligungen SAKRET Sachsen, SAKRET CZ, SAKRET Ungarn, SAKRET Slowakei bei der Firma Büechl

www.sakret.de www.rohrdorfer.eu