Architektur wird für Jahrzehnte, manchmal für Jahrhunderte gedacht. Materialien und Oberflächen müssen diesem Anspruch gerecht werden. Nachhaltiges Bauen bedeutet deshalb nicht nur, Energieverbräuche zu reduzieren oder recycelbare Baustoffe einzusetzen. Es bedeutet auch, Gebäude dauerhaft zu schützen, Instandhaltungszyklen zu verlängern und den Verbrauch von Ressourcen über den gesamten Lebenszyklus zu reduzieren.

Gerade bei Fassaden und Oberflächen wird dieser Aspekt häufig unterschätzt. Eine Beschichtung ist weit mehr als ein gestalterisches Element: Sie schützt die Bausubstanz vor Witterungseinflüssen, prägt die Erscheinung eines Gebäudes und entscheidet mit darüber, wie lange eine Oberfläche intakt bleibt. Für Architekten und Planer wird damit die Wahl des Materials zu einer Frage von Gestaltung, technischer Qualität und langfristiger Verantwortung.

Einen besonderen Blick auf diese Verbindung von Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit bietet die Geschichte von KEIMFARBEN, weltweit führender Hersteller von Mineralfarben. Als Adolf Wilhelm Keim im 19. Jahrhundert nach einer dauerhaft beständigen mineralischen Fassadenfarbe suchte, ging es zunächst um die Verbindung von Ästhetik und technischem Anspruch. 1878 wurde das erste Keimsche Mineralfarbensystem patentiert. Aus diesem Anspruch entwickelte sich ein Unternehmen, das sich bis heute konsequent auf mineralische Farben und Beschichtungssysteme konzentriert. 150 Jahre später hat die Idee der Langlebigkeit eine neue Aktualität. Angesichts begrenzter Ressourcen und steigender Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Gebäuden rückt der gesamte Lebenszyklus in den Mittelpunkt: Welche Rohstoffe werden eingesetzt? Wie langlebig ist ein Produkt? Wie oft muss eine Oberfläche erneuert werden? Und welchen Beitrag leistet sie zum langfristigen Erhalt der Bausubstanz?

KEIMFARBEN versteht Nachhaltigkeit deshalb nicht als kurzfristigen Trend, sondern als Prinzip, das eng mit Qualität und Beständigkeit verbunden ist. Mineralische Farben, ressourcenschonende Lösungen und langlebige Beschichtungssysteme sollen dazu beitragen, dass Gebäude ihre Qualität möglichst lange bewahren – gestalterisch ebenso wie technisch. Nachhaltige Architektur endet nicht mit der Fertigstellung eines Gebäudes. Sie zeigt sich darin, wie gut es altert.

Rüdiger Lugert, Geschäftsführer von KEIMFARBEN, über Langlebigkeit, Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit und die Verantwortung eines Herstellers für nachhaltiges Bauen.

Herr Lugert, Nachhaltigkeit ist heute eines der zentralen Themen im Bauwesen. Was bedeutet nachhaltiges Bauen für KEIMFARBEN?

Nachhaltigkeit beginnt für uns nicht bei einem einzelnen Produkt und endet auch nicht mit dessen Verarbeitung. Wir betrachten das Thema ganzheitlich. Dazu gehören Langlebigkeit, Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit, Ressourcenschonung und Klimaschutz ebenso wie soziale Verantwortung. Entscheidend ist für uns die Frage: Wie können wir Produkte entwickeln, die möglichst lange funktionieren und dabei Mensch und Umwelt möglichst wenig belasten?

Sie sprechen die Langlebigkeit an. Warum spielt sie gerade bei Farben eine so wichtige Rolle?

Langlebigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil von Nachhaltigkeit. Wenn eine Fassade über viele Jahre ihre Schutzfunktion und optische Qualität behält, müssen weniger häufig Renovierungen durchgeführt werden. Das spart Material, Energie und letztlich auch Kosten. Für uns bedeutet Nachhaltigkeit deshalb nicht allein, ressourcenschonend zu produzieren, sondern Produkte mit einer möglichst langen Nutzungsdauer zu entwickeln. Für die Langlebigkeit der „Klassiker“ in der Fassadenbeschichtung garantieren wir bei KEIM als weltweit einziger Hersteller eine 20-jährige Farbtonkonstanz für pigmentbedingte Farbtonveränderungen. Gebäude wie z.B. in Stein am Rhein oder das Rathaus Schwyz beweisen, dass auch eine über 100jährige Farbtonbeständigkeit möglich ist.

Damit geht es bei KEIM offenbar nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern auch um ein bestimmtes Verständnis von Qualität und Marke. Wofür steht KEIM heute?

Farbe muss schützen, dauerhaft funktionieren, die Architektur respektieren und zugleich gesunde, lebenswerte Räume schaffen. Genau daraus ergibt sich unser Verständnis von KEIM. Wir sehen uns nicht als modische Marke, sondern als substanzstarke Marke. Wir konzentrieren uns bewusst auf unsere Kernkompetenz im mineralisch-silikatischen Bautenschutz und wollen dort Markt- und Kompetenzführer sein und bleiben. Für unsere Marke heißt das: kompromisslose Qualität, echte Differenzierung, technologischer Vorsprung und nachhaltige Wertschöpfung – für unsere Kunden und für die Baukultur insgesamt

Ein weiterer Aspekt ist die Materialgesundheit. Welche Rolle spielt sie in Ihrer Nachhaltigkeitsstrategie?

Eine sehr wichtige. Gebäude sind Lebensräume. Deshalb müssen wir uns nicht nur fragen, wie lange ein Material hält, sondern auch, welche Auswirkungen es während seiner Nutzung auf Mensch und Umwelt hat. KEIM setzt auf mineralische Rohstoffe und verzichtet konsequent auf den Zusatz von Lösemitteln, Weichmachern sowie Konservierungs- und Filmschutzmittel. Bereits 1993 haben wir mit KEIM Biosil die weltweit erste wohngesunde Innenfarbe auf den Markt gebracht.

Seit 2022 setzt KEIM zudem auf die Cradle-to-Cradle-Zertifizierung. Was bedeutet dieser Ansatz für Sie?

Cradle to Cradle erweitert den Blick auf das Produkt. Es reicht nicht, nur die Herstellung oder die Nutzung zu betrachten. Wir müssen den gesamten Lebenszyklus verstehen: Woher kommen die Rohstoffe? Wie wird das Produkt hergestellt? Welche Auswirkungen hat es während der Nutzung? Und was passiert am Ende der Nutzungsphase?

Aus zunächst 65 zertifizierten Produkten im Jahr 2022 sind bei der Rezertifizierung in diesem Jahr 139 geworden. Damit decken sie mehr als 90 % unseres Farbabsatzes ab. Die Zertifizierung erfolgte nach dem aktuellen Cradle-to-Cradle Certified®-Produktstandard Version 5.0. Bewertet werden unter anderem Materialkreislauffähigkeit, erneuerbare Energien, Wassermanagement und soziale Verantwortung. KEIM erreichte dabei Cradle to Cradle Certified® Full Scope Silver, Material Health Gold sowie Circularity Silver gemäß Version 5.0. Das übergreifende Gesamtniveau Silber konnte trotz der deutlich strengeren Anforderungen des Standards 5.0 gehalten werden. Eine Gold-Zertifizierung des unabhängigen Cradle to Cradle Products Innovation Institute in San Francisco erhalten ausschließlich Produkte, die keinerlei Substanzen aus dem Verzeichnis verbotener chemischer Stoffe enthalten (Restricted Substances List) und die weder eine Gefahr für die Gesundheit noch für die Umwelt bedeuten. Die bisher getrennten Zertifikate für Silikatfarben auf mineralischen Untergründen und mineralische Holzfarben auf nichtmineralischen Untergründen wurden zusammengeführt. Künftig gilt ein Zertifikat für das gesamte zertifizierte KEIM-Portfolio. Das erleichtert die Kommunikation in Planungs- und Ausschreibungsprozessen und bietet eine übersichtlichere Grundlage für die Produktauswahl.

KEIMFARBEN wurde 2026 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Anstrichmittel und Farben ausgezeichnet. Was bedeutet diese Auszeichnung für das Unternehmen?

Für uns ist der Preis vor allem eine Bestätigung eines Weges, den wir seit unserer Gründung 1878 verfolgen. Gleichzeitig verstehen wir die Auszeichnung als Auftrag, uns weiterzuentwickeln. Der Preis macht deutlich, dass Nachhaltigkeit zum neuen Qualitätsstandard wird und wohngesunde, emissionsarme Systeme keine Nische mehr sind, sondern erwartet werden. Nachhaltigkeit ist kein Ziel, das man irgendwann erreicht, sondern eine dauerhafte Aufgabe und muss das gesamte Unternehmen und die gesamte Wertschöpfungskette umfassen. Nachhaltigkeit ist deshalb für uns kein Marketingthema, sondern Teil unserer Firmenstrategie.

Was können Architekten und Planer dieser ganzheitlichen Betrachtung für ihre Arbeit mitnehmen?

Die entscheidenden Weichen werden bereits bei der Materialauswahl gestellt. Architekten und Planer müssen heute technische Leistungsfähigkeit, Gestaltung, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zusammen denken. Zertifizierungen und belastbare Daten schaffen dabei Transparenz und helfen, Materialien bereits in der Planungsphase nach ihren Auswirkungen über den gesamten Lebenszyklus zu beurteilen.

Gab es in der Vergangenheit unbequeme Entscheidungen zugunsten der Nachhaltigkeit?

Ja, Nachhaltigkeit ist selten der einfachste Weg. Wir haben uns bewusst auf mineralische Systeme fokussiert, auch wenn andere Lösungen kurzfristig günstiger erschienen. Der konsequente Verzicht auf den Zusatz von Lösemitteln und Weichmachern, Investitionen in Umwelt- und Energiemanagement oder strengere Anforderungen an Lieferanten waren mit Aufwand verbunden. Langfristig zahlen sich diese Entscheidungen jedoch in Qualität, Vertrauen und Umweltwirkung aus.

Wo liegen die nächsten Herausforderungen?

Wir sehen uns nicht am Ziel. Die weitere Reduzierung von Emissionen, der Ausbau erneuerbarer Energien, mehr Transparenz bei Rohstoffen und Lieferketten sowie die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft bleiben wichtige Aufgaben. Forschung und Entwicklung spielen dabei eine zentrale Rolle. Unsere Produktentwicklung beeinflussen zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen prägende Entwicklungen. Auf der einen Seite stehen architektonische Leuchtturmprojekte, in denen die gestalterische und materielle Qualität mineralischer Farben sichtbar wird – so wie etwa der LACMA-Erweiterungsbau in Los Angeles. Auf der anderen Seite prägen das serielle und modulare Bauen unsere Entwicklung sehr stark. Diese Bauweise bringt neue Untergründe, neue industrielle Prozesse und neue Anforderungen an Beschichtungen mit sich. Unser Ziel ist es, die Stärken mineralischer Produkte auch in neue industrielle und nachhaltige Bauprozesse zu übersetzen. Unser Anspruch ist, auch hier mineralische Lösungen zu schaffen, die ökologische und technische Anforderungen gleichermaßen erfüllen.

www.keim.com

Bild 1 Rathaus Schwyz, Originalanstrich von 1891 © KEIMFARBENBild 1 Rathaus Schwyz, Originalanstrich von 1891 © KEIMFARBEN

Bild 2 Stadtschloss Berlin © Stephan FalkBild 2 Stadtschloss Berlin © Stephan Falk

Bild 3 Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam © Stefan MüllerBild 3 Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam © Stefan Müller

Bild 4 Wohnquartier Mangalem 21, Albanien © KONTAKT Ltd.Bild 4 Wohnquartier Mangalem 21, Albanien © KONTAKT Ltd.

30 Prozent schneller Bauen: Wie serielle Ziegelfertigteile den Fachkräftemangel abfedern

Der akute Fachkräftemangel in der Bauwirtschaft stellt eine der größten Herausforderungen der Branche dar. Immer weniger qualifizierte Mitarbeitende stehen für die Umsetzung von Bauprojekten zur Verfügung, was zu Verzögerungen und steigenden Kosten führt. Die serielle Bauweise mit Ziegelfertigteilen bietet hier eine entscheidende Lösung: Durch die wetterunabhängige Produktion und den hohen Vorfertigungsgrad können Bauzeiten um bis zu 30 % verkürzt werden. Dies entlastet die knappen Personalressourcen und ermöglicht eine schnellere Fertigstellung von dringend benötigtem Wohnraum.

Die Bauwirtschaft steht unter zunehmendem Druck, effizienter und kostensparender zu arbeiten – insbesondere angesichts des Fachkräftemangels, der sich weiter verschärfen wird. Laut aktueller Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zählt das Baugewerbe dabei zu den Branchen mit dem größten Fachkräfteengpass. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet die serielle Bauweise mit Ziegel-Wandelementen von Leipfinger-Bader. Sie reduziert Baukosten, entlastet Personalressourcen und beschleunigt die Amortisation der Investition. Schon während der Bauphase minimiert die Vorfertigung den Logistikaufwand und senkt die Baufeuchtigkeit, was die Bauqualität nachhaltig verbessert. Die Ziegelfertigteile sind zudem bereits werkseitig verputzt, mit montierter Elektrik oder komplett montiertem Fenster erhältlich – ein hoher Vorfertigungsgrad, der den Personalbedarf auf der Baustelle weiter senkt und die saisonale Flexibilität erhöht. Dank der standardisierten Prozesse können die Ziegel-Wandelemente heute bis nach Portugal und in andere europäische Länder geliefert werden – ein Vorteil gerade in Regionen, in denen qualifizierte Fachkräfte und Erfahrung mit modernen, energieeffizienten Bauweisen nur begrenzt verfügbar sind.

Niedrige Betriebskosten

Auf diese Weise lassen sich Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser sowie gewerbliche Gebäude oder sogar öffentliche Bauten wie beispielsweise Kasernen errichten, ohne auf die bauphysikalischen Vorteile einer Ziegelwand verzichten zu müssen. Dazu zählt unter anderem die porosierte Struktur, die für ausgezeichnete wärmedämmende und feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften sorgt. Das Material beugt der Bildung von Schimmel vor und bringt keine Schadstoffe in die Raumluft. Silvacor-Hochlochziegel von Leipfinger-Bader mit integrierter Nadelholzfaser-Dämmung erreichen bei einer Ziegelwandstärke von 36,5 cm beispielsweise einen U-Wert von 0,15 W/m²K, wodurch der Heizwärmebedarf erheblich gesenkt wird. So entsteht wohngesunder, energieeffizienter Wohnraum, der förderfähig ist und durch niedrige Betriebskosten punktet. Dank ihrer Langlebigkeit und Beständigkeit von 150 Jahren bleibt bei Massivbauten auch der Sanierungsbedarf gering, was langfristig Ressourcen und Kosten spart. Nicht zuletzt sind Mauerziegel ein Re-Use-Produkt, das sich komplikationslos zurückbauen, recyceln, aufbereiten und wiederverwenden lässt.

Mehr vermietbarer Wohnraum

Wirtschaftliche Auswirkungen bedingt auch der Wohnraumgewinn, den das Bauen mit Ziegel-Wandelementen bietet. So wurde beispielsweise im brandenburgischen Werneuchen eine Wohnanlage im Effizienzhausstandard 40 errichtet. Zum Einsatz kamen Fertigwände aus Coriso-Mauerziegel, deren Herzstück die mineralische Dämmstofffüllung ist. Es entstand ein Ziegelwandaufbau von nur 36,5 cm – und damit deutlich weniger als die bei dem Projekt ursprünglich geplante Holzbauweise mit 49,5 cm Gesamtwanddicke. Die Einsparung brachte bei dem Wohnkomplex mit insgesamt 6.770 m2 Wandfläche einen Zugewinn von rund 260 m2, die bewohnt und vermietet werden können – für unter zwölf €/m2. Ein Beispiel für die Kombination aus hohem Vorfertigungsgrad, Fensterintegration und durchdachter Lüftungs- sowie Verschattungstechnik liefert auch eine Referenzbaustelle in Neuburg an der Donau: Dort wurden fünf Geschosse mit Ziegelfertigteilen inklusive bereits montierter Fenster und integrierter Verschattungs- sowie Lüftungslösungen in nur sechs Wochen gestellt – und damit noch einmal deutlich schneller als beim Projekt Werneuchen.

Klare Formgebung

Ziegel-Fertigteilwände von Leipfinger-Bader lassen sich zudem nach Belieben modular erweitern. Auch können schon werkseitig etwa Rollladenkästen mit eingebettetem dezentralem Lüftungssystem inklusive Wärmerückgewinnung integriert werden. Der Clou: Das Lüftungssystem ist von außen gänzlich unsichtbar und erfüllt damit den architektonischen Anspruch an eine klare Formgebung. Es sorgt zuverlässig für den Aufbau eines Lüftungskreislaufs mit Zu- und Abluft. Das System ist besonders einfach, dabei aber leistungsstark und eignet sich so auch für größere Räumlichkeiten. Zudem arbeitet der Lüftermotor äußerst geräuscharm und erweist sich als sehr sparsam.

Effizienz und Qualität für die Zukunft der Bauwirtschaft

Die serielle Bauweise mit Ziegel-Wandelementen ist weit mehr als eine technische Innovation – sie markiert einen Wendepunkt in der Bauwirtschaft. Indem sie die Herausforderungen des Fachkräftemangels mit verkürzten Bauzeiten und hoher Effizienz adressiert, schafft sie die Grundlage für eine nachhaltige und wirtschaftliche Zukunft des Bauens. Mit ihrer Kombination aus Qualität, Langlebigkeit und Ressourcenschonung setzt sie neue Maßstäbe und zeigt, wie modernes Bauen den Anforderungen der Zeit gerecht werden kann.

Weitere Informationen erhalten Interessierte unter www.leipfinger-bader.de

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