Wände als CO2-Speicher: Lehmputz-Trockenbausysteme nachweislich klimapositiv

Schwarz auf weiß statt bloßer Nachhaltigkeitsbehauptung: Für die naturbo Lehmputzplatten liegen jetzt Umweltproduktdeklarationen vor. Sie bescheinigen, dass die Platten mehr CO₂ speichern, als bei ihrer Herstellung entsteht. Damit werden Wände und Decken im Innenausbau zu langfristigen CO₂-Speichern – und verbinden Klimaschutz mit gesundem Raumklima.

Die Klimawirkung der naturbo Lehmputz Trockenbausysteme ist jetzt offiziell geprüft und in Umweltproduktdeklarationen, kurz EPDs, dokumentiert. Das Ergebnis: Die bestehenden naturbo Platten speichern mehr CO₂, als bei ihrer Herstellung entsteht. Damit leisten die im Innenausbau eingesetzten Platten nicht nur einen Beitrag zu einem gesunden Raumklima, sondern auch zur CO₂-Bindung im Gebäude.

Wer verantwortungsvoll baut oder saniert, achtet heute nicht mehr nur auf Dämmung, Heiztechnik und Energieverbrauch. Immer stärker rückt auch die Frage in den Fokus, welche Materialien im Gebäude verbaut werden – und welchen CO₂-Fußabdruck sie mitbringen. Die neuen EPDs machen diesen Wert für naturbo transparent und nachvollziehbar.

„Wir wollen zeigen, dass nachhaltiges Bauen praktisch, bezahlbar und nachweisbar sein kann. Wenn ein Baustoff nicht nur gut fürs Raumklima ist, sondern gleichzeitig CO₂ speichert, wird der Innenausbau zu einem aktiven Beitrag für klimabewusstes Bauen“, sagt Michael Weihele.

Was bedeutet CO₂-negativ?

Ein Bauprodukt gilt dann als CO₂-negativ, wenn in ihm mehr CO₂ gebunden ist, als bei Herstellung, Transport und Verarbeitung freigesetzt wird. Bei naturbo liegt das vor allem an der Materialkombination aus Holzweichfaser und Lehm. Holz bindet Kohlenstoff, Lehm ist ein natürlicher Baustoff mit vergleichsweise geringem Energieaufwand in der Herstellung.

Die Umweltproduktdeklarationen zeigen schwarz auf weiß, welche Umweltwirkungen ein Bauprodukt hat. Für Bauherren, Sanierer und Planer wird damit sichtbar, dass nachhaltiges Bauen nicht bei der Heiztechnik endet, sondern bereits bei Wand und Decke beginnt.

Nachhaltigkeit, die im Haus bleibt

Gerade im Innenausbau werden große Flächen bearbeitet: Wände, Decken, Dachschrägen oder Innendämmungen. Wer hier auf klimawirksame Baustoffe setzt, kann die CO₂-Bilanz eines Gebäudes positiv beeinflussen – ohne dass sich der Wohnalltag komplizierter gestaltet.

Die naturbo Lehmbauplatten werden im Trockenbau verarbeitet und sind bereits werkseitig mit Lehmputz versehen. Je nach Ausführung können sie zusätzlich mit Innendämmung oder integrierten Rohrregistern für Wand- und Deckenheizung sowie sanfte Kühlung kombiniert werden.

Neben der Klimabilanz bringt Lehm weitere Vorteile für den Innenraum mit: Er kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, Gerüche binden und zu einem ausgeglichenen Raumklima beitragen. So verbindet das System ökologische Materialwahl mit spürbarem Wohnkomfort.

Bauen mit überprüfbaren Daten

Für naturbo ist die EPD-Dokumentation ein wichtiger Schritt: Nachhaltigkeit soll nicht nur behauptet, sondern belegbar gemacht werden. Gerade weil Bauprodukte über Jahrzehnte im Gebäude bleiben, zählt nicht nur, wie sie hergestellt werden, sondern auch, welchen Beitrag sie während ihrer Nutzung leisten.

www.naturbo.de

Michael Weihele, Geschäftsführer von naturbo © naturboMichael Weihele, Geschäftsführer von naturbo © naturbo

TU Graz macht in Gebäuden verbaute Rohstoffe sichtbar

Ein neues Tool zeigt, welche Rohstoffe in Gebäuden gebunden sind. Das erleichtert Recycling, Wiederverwendung und die Planung von Baustoffströmen.

Kreislaufwirtschaftliches Denken gewinnt in der Baubranche mehr und mehr an Bedeutung. Einerseits kann so der Verbrauch von Rohstoffen und Emissionen reduziert werden, andererseits lassen sich mit einem klugen Reuse- und Recycling-Konzept Kosten sparen. Um das mögliche Ressourcen-Potenzial des Gebäudebestands zu erfassen, hat das Institut für Architekturtechnologie der TU Graz gemeinsam mit Projektpartner Revitalyze das Tool „Urban Mining Screener“ entwickelt. Damit können, vorerst für Österreich, in Bestandsbauten vorhandene Rohstoffe und Bauelemente wie Beton, Ziegel und Holz ausgelesen werden.

Geodaten verknüpft mit Archetypen

„Das Wissen um vorhandene Ressourcen, die in Gebäuden verbaut sind, ist sehr wertvoll“, sagt Projektleiter Matthias Lang-Raudaschl vom Institut für Architekturtechnologie der TU Graz. „Mit der Information über zukünftig verfügbare Materialien in einer Region können etwa Rückbauunternehmen ihre Aufwände und die Logistik besser kalkulieren, Baustoffhersteller die Produktion von Recyclingbeton besser planen und Bauträger Teile wie Holzträger oder Fenster wiederverwenden.“

Die methodische Grundlage des Projekts bildet die Kombination von öffentlich zugänglichen Geodaten mit sogenannten Gebäudearchetypen. Für die Berechnung nutzt ein eigens entwickelter Algorithmus dreidimensionale Informationen aus OpenStreetMap, um Grundfläche, Umfang und Höhe eines Gebäudes zu bestimmen. Diese Daten verknüpft der Urban Mining Screener mit einem von 154 Gebäude-Archetypen, die in der Arbeitsgruppe Nachhaltiges Bauen am Institut für Tragwerksentwurf der TU Graz ausgearbeitet worden sind. Für diese Archetypen sind spezifische Kennwerte wie Baujahr, verbautes Material oder Energieklasse hinterlegt. Erweitert werden diese um drei Grade an getroffenen Umbaumaßnahmen, um so Änderungen gegenüber dem ursprünglichen Bestand mit zu erfassen.

Potenzielle Alternative zu aufwändigen Messverfahren

Anhand dieser Datenbasis können Nutzer*innen in der Eingabemaske des Tools nur durch Eingabe einer Adresse eine Einschätzung der verbauten Materialien erhalten. Bei einem Testlauf an einem realen Gebäude hat sich gezeigt, dass insbesondere bei mineralischen Baustoffen die Einschätzung recht genau ist. Bei Materialien wie Kunststoff oder komplexen Metallkonstruktionen wie Handläufen waren die Ergebnisse noch nicht so exakt, da diese mit Archetypen noch nicht abgebildet sind. Hier möchte das Team nachbessern.

„Auch wenn es noch ein paar Herausforderungen gibt, hat der Urban Mining Screener das Potenzial, eine schnelle Alternative zu aufwändigen Erhebungsverfahren zu werden“, sagt Matthias Lang-Raudaschl. „Speziell auf Stadt- oder Regionsebene kann das Tool die Ressourcen wesentlich schneller darstellen. Auf dieser Ebene wäre die Genauigkeit der Einschätzungen wohl sogar höher als für Einzelgebäude. Diese Daten könnten für Simulationen zukünftiger Baustoffströme genutzt werden und die Kreislaufwirtschaft mit präzisen Prognosen unterstützen. Damit wird der Gebäudebestand systematisch als wertvolles Ressourcendepot sichtbar gemacht.“

Die Dateien des Urban Mining Screener sind auf GitHub öffentlich zugänglich: https://github.com/revitalyze/urban-mining-screener

www.tugraz.at