Print bleibt. Digital wird besser.
Bernhard Hauke nbau Chefredakteur, Foto: Stefan Hähnel
Anfang 2022 startete die nbau mit den ersten gedruckten Heften und online unter www.nbau.org. Perspektivisch, so schrieb ich damals, solle die nbau effizient rein digital werden. Heute, mehr als vier Jahre später, sehe ich das anders.
Zum einen habe ich begründete Zweifel, dass ein gedrucktes Heft, das von mehreren Personen beispielsweise im Büro gelesen wird, zwangsläufig die schlechtere Umweltbilanz aufweist als eine ausschließlich digitale Nutzung, bei der jeder Seitenaufruf Rechenleistung, Datenübertragung und Speicherkapazitäten benötigt. Günther Bachmann hat diese Zusammenhänge für das Jubiläumsbuch des Deutschen Nachhaltigkeitspreises durchaus überzeugend zusammengetragen.
Zum anderen höre ich immer wieder, dass die nbau als Zeitschrift geschätzt wird, die man in die Hand nehmen, durchblättern, markieren und auch einmal liegen lassen kann. Ehrlich gesagt: Mir geht es genauso.
Deshalb bleiben die gedruckten Hefte vorerst erhalten. Allerdings weiterhin so ressourcenschonend wie möglich – ohne den bei dieser Heftdicke sonst üblichen Kleber und im Sinne eines Design for Deconstruction mit minimalistischen Klammern, die eine einfache Trennung der Materialien ermöglichen.
Gleichzeitig entwickeln wir die digitale nbau konsequent weiter. Das neue Layout von www.nbau.org ist übersichtlicher geworden und erleichtert die Orientierung. Nutzerkonten ermöglichen das Speichern und Teilen von Beiträgen. Unser Podcast hauke & groß hat nun einen festen Platz auf der Startseite erhalten. Auch ganze Heftausgaben lassen sich einfacher durchstöbern und lesen. Und mit dem neuen Feedbackformular kann einfach mitgeteilt werden, was besser werden kann.
Unabhängig vom Medium bleibt das Entscheidende der Austausch.
Denn unabhängig vom Medium bleibt das Entscheidende der möglichst breite Austausch. Nachhaltiges Bauen lebt von Diskussionen, unterschiedlichen Perspektiven und der Bereitschaft, bestehende Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen. Die nbau versteht sich deshalb nicht nur als Fachmedium, sondern auch als Plattform für Argumente und Gegenargumente.
Ein Beispiel dafür war der Aufsatz Appell für eine natürliche Lüftung in Schulen – Pettenkofers langer Schatten von Thomas Auer et al. in der nbau 1/2026. Der Beitrag hat zahlreiche Reaktionen ausgelöst – bis hin zu Nachfragen aus dem Büro des Oberbürgermeisters von Hannover. Dass ein Fachbeitrag über die Grenzen der üblichen Fachöffentlichkeit hinaus diskutiert wird, zeigt zunächst vor allem eines: Die Frage, wie wir künftig planen, bauen, betreiben und nutzen, ist gesellschaftlich relevant.
In diesem Heft setzen Tobias Fettig und Jan Richarz die Debatte mit ihrem Aufsatz Lüftung in Schulen und anderen Gebäuden – Warum die Debatte mehr braucht als Low-Tech oder High-Tech fort. Das freut mich ausdrücklich. Denn Fortschritt entsteht selten durch einfache Entweder-oder-Positionen. Gerade beim nachhaltigen Bauen sind die besten Lösungen häufig diejenigen, die technische Innovation, Praxistauglichkeit, Wirtschaftlichkeit und ökologische Verantwortung zusammendenken.
Die Herausforderungen in unserer Branche werden nicht kleiner. Umso wichtiger ist es, Räume für einen sachlichen und konstruktiven Diskurs zu schaffen und zu erhalten. Ob gedruckt oder digital: Genau dafür soll die nbau auch künftig stehen.


