Quelle: Simon Sommer Fotografie
Der Erhalt bestehender Gebäude zählt zu den wirksamsten Strategien für nachhaltiges Bauen. Wie sich historische Bausubstanz bewahren und gleichzeitig an aktuelle Anforderungen anpassen lässt, zeigt die umfassende Sanierung der denkmalgeschützten Fridolinschule in Lörrach. Die Schulgebäude aus den Jahren 1877 und 1927 wurden modernisiert, energetisch und funktional aufgewertet sowie für zukünftige Bildungsanforderungen fit gemacht. Dabei stand nicht der Neubau, sondern die langfristige Sicherung und Weiterentwicklung eines identitätsstiftenden Bestandsgebäudes im Mittelpunkt.
Nach Jahrzehnten ohne grundlegende Erneuerung bestand erheblicher Sanierungsbedarf. Im Zuge eines rund neun Millionen Euro umfassenden Projekts wurden unter anderem Dächer und Fenster modernisiert, Elektroinstallationen erneuert, eine Aufzugsanlage integriert sowie umfangreiche Brandschutzmaßnahmen umgesetzt. Gleichzeitig mussten die Anforderungen des Denkmalschutzes berücksichtigt werden. Die Koordination der unterschiedlichen Interessen von Bauherrschaft, Planenden, Fachgewerken und Denkmalschutzbehörden stellte dabei einen wesentlichen Erfolgsfaktor dar.
Besonders bemerkenswert ist der konsequente Fokus auf den Bauwerkserhalt. Statt historische Bausubstanz zu ersetzen, wurde gezielt nach Lösungen gesucht, die den Charakter der Gebäude bewahren und ihre Lebensdauer deutlich verlängern. Ein Beispiel dafür ist die Neueindeckung des großen Schulhausdachs mit Naturschiefer. Das langlebige Naturmaterial erfüllt hohe Anforderungen an Nachhaltigkeit, Brandschutz und Witterungsbeständigkeit und knüpft zugleich an die historische Bauweise des Gebäudes an. Bereits die ursprüngliche Schieferdeckung hatte nahezu ein Jahrhundert überdauert.
Quelle: Simon Sommer Fotografie
Auch bei der Erneuerung der Innenräume zeigte sich, wie nachhaltiger Bauwerkserhalt von Kompromissen und interdisziplinärer Zusammenarbeit lebt. So standen historische Strohdecken im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und Brandschutz. Gemeinsam wurde eine Lösung entwickelt, die beide Anforderungen berücksichtigt: Während ein Raum die originale Strohdecke als denkmalgeschütztes Zeugnis seiner Bauzeit behält, wurden in anderen Bereichen notwendige Anpassungen vorgenommen. Dadurch konnte ein Teil der historischen Substanz dauerhaft erhalten werden, ohne die Sicherheit des Gebäudes zu beeinträchtigen.
Nachhaltigkeit wurde jedoch nicht allein über die Gebäudestruktur definiert. Im Sinne einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft setzte das Projekt auch auf die Wiederverwendung vorhandener Materialien und Ausstattungen. Statt Schulmobiliar vollständig auszutauschen, wurden bestehende Möbel umgebaut und weitergenutzt. Ehemalige Sportbänke fanden beispielsweise als Tische ein zweites Leben. Nicht mehr benötigtes Inventar wurde versteigert, wodurch zusätzliche Mittel für die Gestaltung neuer Grünflächen auf dem Schulgelände generiert werden konnten. Dieses Vorgehen reduzierte den Materialverbrauch, vermied Abfälle und stärkte gleichzeitig die nachhaltige Nutzung vorhandener Ressourcen.
Die Sanierung der Fridolinschule verdeutlicht, dass nachhaltiges Bauen weit über energetische Maßnahmen hinausgeht. Der verantwortungsvolle Umgang mit bestehender Bausubstanz, die Verlängerung von Lebenszyklen, die Verwendung langlebiger Materialien sowie die Wiederverwendung von Ausstattungselementen leisten einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz. Gleichzeitig bleibt kulturelles Erbe erhalten und kann für künftige Generationen nutzbar gemacht werden. Die Fridolinschule ist damit ein gelungenes Beispiel dafür, wie Bauwerkserhalt und Nachhaltigkeit gemeinsam einen Mehrwert für Gesellschaft, Umwelt und Bildung schaffen können.
Weitere Informationen unter www.mayer-baehrle.com


